Bezirksversammlung Hamburg-Nord

Drucksache - 20-3664  

 
 
Betreff: Namensgebung für Straße und Verbindungsweg im Gebiet des Bebauungsplanes Groß Borstel 25
gemeinsamer Antrag
Status:öffentlichDrucksache-Art:gemeinsamer Antrag
  Aktenzeichen:123.70-24
Federführend:Interner Service   
Beratungsfolge:
Regionalausschuss Langenhorn-Fuhlsbüttel-Ohlsdorf-Alsterdorf-Groß Borstel -
05.12.2016 
Sitzung des Regionalausschusses Langenhorn-Fuhlsbüttel-Ohlsdorf-Alsterdorf-Groß Borstel geändert beschlossen   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag
Anlage/n

Sachverhalt:

 

Der jüdische Rechtsanwalt Paul Marcus und seine schwedische Ehefrau wohnten mit ihrer Familie in Groß Borstel in der Violastraße (heute Köppenstraße) 10, wo sein Sohn Gert Olof Marcus am 10.11.1914 geboren wurde. Angesichts des Erstarkens des Nationalsozialismus und der antisemitischen Anfeindungen in den 1920er und zu Beginn der 1930er Jahre ist Gert mit seiner Mutter dann nach Schweden ausgewandert und ab 1933 lebte Gert Marcus in Stockholm. Sein Vater konnte später nachkommen. Noch in Hamburg auf der Lichtwarkschule (heute Heinrich-Hertz) entdeckte und entwickelte Gert seine künstlerische Begabung. Im Rahmen seiner Ausbildung als Maler und Bildhauer lebte er vor 1939 dann auch zweitweise in Frankreich und Italien. Gert Marcus ist in Schweden nicht nur als Maler bekannt, sondern auch einer der wichtigsten schwedischen Bildhauer, dessen Skulpturen und auch Mosaiken ab Mitte der 1950 Jahre bis zu seinem Tode im Jahre 2008 auf vielen öffentlich Plätzen und an Gebäuden in Schweden zu sehen sind. An den hierzulande fast vergessenen „geborenen Groß Borsteler“ soll mit dieser Straßenbenennung erinnert werden.

 

Während Gert Marcus nach seiner Emigration das Glück eines künstlerischen Erfolges in Schweden hatte, war  dieses einem anderen Künstlerehepaar, Hans und Anni Glissmann nicht vergönnt. Der Bildhauer Hans Glissman (1894-1956) und die Graphikerin und Kunstgewerblerin Anni Glissmann, geb. Jakoby ( 1900 – 1959) hatten Wohnung und Atelier im Brödermannsweg 47. Sie arbeiteten für verschiedene Architekten und für die Stadt Hamburg. Nach der Machtübernahme der Nazis im Jahre 1933 weigerte sich Hans Glissmann einer Scheidung der aus einer jüdischen Familie stammenden Anni  zuzustimmen. Es gab kaum noch Aufträge und ab 1938 ein Berufsverbot. Anni Glissmann emigrierte 1938 zuerst in die Niederlande und 1939 nach Schottland. 1940 konnte Hans Glissmann nachkommen und sie zogen nach London Sie konnten sich dort nur durch Hilfsarbeiten über Wasser halten. Am 27.11.1956 starb Hans an Lungenkrebs und Anni starb 1959, nur 59 Jahre alt, dann in Villingen/Schwarzwald.

 

102 Jahre nach der Geburt von Gert Marcus, im November, und 60 Jahre nach dem Tode von Hans Glissmann, auch im November, wäre es ein Zeichen hier in dem Neubaugebiet in Groß Borstel, in direkter Nachbarschaft der ehemaligen Wohnstätten beider Familien, eine Straße und einen zukünftig wichtigen Weg nach ihnen zu benennen.

 


Petitum/Beschluss:

 

In dem Neubaugebiet „Tarpenbeks Ufer“ im Geltungsbereich des Bebauungsplanes Groß Borstel 25 werden für die vom Kellerbleek abzweigende „Hauptstraße“ und den Geh- und Radweg aus dem Neubaugebiet, über die Tarpenbek bis zum Brödermannsweg folgende Namensgebungen vorgeschlagen:

 

 

  1. für die vom Kellerbleek abzweigende Straße: Gert-Marcus-Straße und

 

  1. für den die Tarpenbek überquerenden Verbindungsweg zum Brödermannsweg:

 

Anni-und-Hans-Glissmann-Weg

 

 

 

 

Für die SPD-Fraktion               Fraktion Die Grünen

 

Jörg W. Lewin                                     Michael Werner-Boelz                 

 

Thomas KegatCarmen Wilckens

 

 

FDP – Gruppe             Fraktion Die Linke

 

Ralf Lindenberg          Rachid Messaoudi

 

 

 

 


Anlage/n:

 

Keine