Bezirksversammlung Hamburg-Nord

Drucksache - 20-3214  

 
 
Betreff: Straßenbenennung/en zu Ehren Ralph Giordanos
Beschlussempfehlung des Regionalausschusses Barmbek-Uhlenhorst-Hohenfelde-Dulsberg
Status:öffentlichDrucksache-Art:Beschlussempfehlung Ausschuss
  Aktenzeichen:123.50-04
Federführend:Interner Service   
Beratungsfolge:
Hauptausschuss -
12.07.2016 
Sitzung des Hauptausschusses ungeändert beschlossen   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag
Anlage/n

Sachverhalt:

Der Regionalausschuss Barmbek-Uhlenhorst-Hohenfelde-Dulsberg hat sich in seiner Sitzung am 04.07.2016 mit o.g. Thematik auf der Grundlage eines gemeinsamen Antrages der Fraktionen SPD, GRÜNE, CDU, DIE LINKE sowie der Gruppen FDP und PIRATEN befasst und einstimmig folgende Beschlussempfehlung verabschiedet:

 

Das Bezirksamt wird gebeten,

 

  1. den Sanierungsbeirat Barmbek-Nord/Fuhlsbüttler Straße zu bitten, sich mit der Benennung einer Straße oder eines Platzes im Umfeld des Barmbeker Bahnhofs nach Ralph Giordano zu befassen und dem zuständigen Regionalausschuss bis Ende Oktober 2016 einen oder mehrere Vorschläge zur Entscheidung zu unterbreiten;
  2. den Sanierungsbeirat zudem zu bitten, über eine mögliche Umbenennung der Straßen Krüsistraße und Pestalozzistraße (zwischen Hufnerstraße und Fuhlsbüttler Straße) zu beraten und ebenfalls einen oder mehrere Vorschläge zu unterbreiten;
  3. die Öffentlichkeit gemeinsam mit dem Sanierungsbeirat über diesen Prozess zu informieren und anzuregen, Vorschläge zu machen;
  4. die möglicherweise betroffenen Anliegenden, insbesondere die VBG umgehend über die Absicht einer möglichen Umbenennung und den vorgesehenen zeitlichen Ablauf zu informieren.

 

 

 

Begründung:

Der Journalist, Publizist, Schriftsteller und Regisseur Ralph Giordano wurde am 20.März 1923 in Hamburg geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend in Barmbek. Seine Familie hatte italienische und jüdische Wurzeln und war während des Nationalsozialismus vielfältiger Demütigung, Misshandlung und Verfolgung ausgesetzt. Im Februar 1945 zwang die drohende Deportation der Mutter die Familie schließlich zur Flucht in ein Kellerloch, wo sie das Kriegsende knapp überlebten. Diese Erfahrungen prägten das weitere Leben und Wirken Giordanos, das er dem Kampf gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus widmete. Bekannt ist insbesondere der stark autobiographisch geprägte Roman „Die Bertinis“, der die Geschichte einer Jugend im Nationalsozialismus erzählt. Ralph Giordano verstarb am 10. Dezember 2014.

Ihm zu Ehren halten wir es für angemessen, eine Straße in Barmbek nach ihm zu benennen. Giordano wuchs in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof in der Hufnerstraße auf und besuchte zunächst die (heute nicht mehr existente) Volksschule am Zoll nördlich der Gabelung Fuhlsbüttler-, Bramfelder-, und Steilshooper Straße. Danach wechselte er auf das Johanneum, welches er aber aufgrund seiner jüdischen Wurzeln noch vor dem Abitur verlassen musste. In dem Swing-Café „König“ in der Fuhlsbüttler Straße lernte er Hans-Jürgen Massaquoi kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod 2013 eine Freundschaft verband. Die neu entstehende Passage zwischen Drosselstraße und Bahnhof soll bereits zu Ehren Hans-Jürgen Massaquois „Massaquoi-Passage“ benannt werden. Die Benennung einer weiteren Straße im Umfeld könnte die persönliche Beziehung Giordanos und Massaquois hervorheben und darüber hinaus Orte der Kindheit und Jugend Giordanos verbinden.

Die Neuordnung des Bahnhofsumfelds durch den Neubau der Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG), der gegenüberliegenden Fläche des ehemaligen Hertie sowie der Umbau der sogenannten „Piazzetta“ an der Ecke Fuhlsbüttler Straße / Pestalozzistraße bietet die Gelegenheit, auch die Benennung der vorhandenen Straßen und Plätze zu überdenken. So könnte die heute im Straßenraum nicht mehr nachvollziehbare Trennung der nördlich parallel direkt am Bahnhof Barmbek verlaufenden Straßen Krüsistraße und Pestalozzistraße aufgehoben und eine einheitliche Benennung gewählt werden. Diese könnte dann zudem Ralph Giordano ehren. Der belebte Bereich rund um den Barmbeker Bahnhof bietet sich hierfür an.

Da der genannte Bereich im Sanierungsgebiet liegt, sollte der Sanierungsbeirat bei der Neuordnung beteiligt werden.

 


Petitum/Beschluss:

Der Hauptausschuss folgt der Beschlussempfehlung.

 


Anlage/n:

Keine