Bezirksversammlung Hamburg-Nord

Drucksache - 20-3179  

 
 
Betreff: Umbenennung der Straßen Woermannsweg und Woermannstieg
Antrag der Fraktion DIE LINKE
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antrag
  Aktenzeichen:123.70-24
Federführend:Interner Service   
Beratungsfolge:
Regionalausschuss Langenhorn-Fuhlsbüttel-Ohlsdorf-Alsterdorf-Groß Borstel -
27.06.2016 
Sitzung des Regionalausschusses Langenhorn-Fuhlsbüttel-Ohlsdorf-Alsterdorf-Groß Borstel vertagt   
26.09.2016 
Sitzung des Regionalausschusses Langenhorn-Fuhlsbüttel-Ohlsdorf-Alsterdorf-Groß Borstel vertagt   
07.11.2016 
Sitzung des Regionalausschusses Langenhorn-Fuhlsbüttel-Ohlsdorf-Alsterdorf-Groß Borstel zurückgezogen   
Regionalausschuss Langenhorn-Fuhlsbüttel-Ohlsdorf-Alsterdorf-Groß Borstel -
Regionalausschuss Langenhorn-Fuhlsbüttel-Ohlsdorf-Alsterdorf-Groß Borstel -

Sachverhalt
Beschlussvorschlag
Anlage/n

Sachverhalt:

Hamburg war als Hafen- und Handelsstandort ein bedeutender Teil der Kolonialpolitik des Deutschen Reiches. Daher gibt es viele Orte in Hamburg bzw. Hamburg-Nord, die unkritisch an diese koloniale Vergangenheit Deutschlands erinnern.

 

Mit der Drucksache 20/12383 – Aufarbeitung des kolonialen Erbes – bekundet der Senat auf das einstimmige Ersuchen der Bürgerschaft (Drucksache 20/3752), sich der kolonialen Verantwortung stellen zu wollen. Sowohl Bürgerschaft als auch Senat betonen in ihren Drucksachen, dass die Einbeziehung von Nichtregierungsorganisationen, wie unter anderem des „Arbeitskreises Hamburg Postkolonial“, von großer Bedeutung sei.

 

Wie im Wochenblatt Nr. 25 vom 22.06.2016 auf der ersten Seite zu lesen ist, fand am 23.06.2016 eine Veranstaltung des AKs Hamburg Postkolonial in Zusammenarbeit mit der Willi-Bredel-Gesellschaft Geschichtswerkstatt e. V. statt, auf der ihre Forderung nach der Umbenennung der Straßen Woermannsweg und Woermannstieg begründet wurde.

 

Beide Straßen sind nach dem Hamburger Reeder, Plantagenbesitzer und Kaufmann sowie Präses der Handelskammer, Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, Hamburgs Reichstagsabgeordneter für die Nationalliberale Partei Adolph Woermann (1847 – 1911) benannt.

 

Auf Woermanns Treiben hin, beschloss Bismarck aus Kamerun eine deutsche Kolonie zu machen. So könne einerseits die europäische Konkurrenz abgewehrt und andererseits das Zwischenhandelsmonopol gebrochen werden und somit Woermann mehr Gewinn erwirtschaften. Er verdiente nicht nur an den Plantagen, sondern auch mit dem Sklavenhandel sehr viel Geld. Seine Brutalität war in Kamerun weit bekannt. So setzte er eine Privatarmee gegen die Malimba ein, die eine Niederlassung seines Handelsunternehmens nicht auf ihrem Gebiet duldeten und führte einen Krieg gegen die Widerstandskämpfer der Bakweri, deren Männer fast alle erschossen und deren Frauen als ‚Soldatenweiber’ zur Prostitution gezwungen wurden. Auf seiner Plantage starben 1913 innerhalb von 7 Monaten 65 von 213 ‚Arbeitskräften’ (vgl. R. Bake, Ein Gedächtnis der Stadt, Band 3 (online Ausgabe), S. 321f u. 836ff).

 

Der Reeder Adolph Woermann war Kriegsgewinnler. Er profitierte enorm von den Truppen- und Waffenexporten, die für den Kolonialkrieg in „Deutsch-Südwestafrika“ (heute Namibia) bestimmt waren. Für diese Transporte verlangte er überhöhte Frachtraten. Nach dem Genozid an den Herero und Nama errichtete er für die aus der Wüste erschöpft Zurückkehrenden ein privates Konzentrationslager, aus dem er Kinder, Frauen und Männer zur Zwangsarbeit am Eisenbahnbau für die Otavi-Minengesellschaft holte, deren Vorsitzender er war. Dass solche Verbrecher nicht durch die Namensgebung von Straßen geehrt werden dürfen, ist in der Bezirksversammlung Hamburg-Nord Konsens. Die von Senat und Bürgerschaft geforderte Aufarbeitung der kolonialen Geschichte Hamburgs, sollte Anlass für die Umbenennung sein. Der AK Hamburg Postkolonial, in dem Vertreter_innen der Community und Verbände der Schwarzen Menschen und People of Color mitarbeiten, schlägt die Umbenennung der Straßen wie folgt vor:

 

Woermannsweg in Manga-Bell-Weg und Woermannstieg in Manga-Bell-Stieg.

 

Manga Bell war ein königliches Ehepaar der Douala in Kamerun. Die Benennung soll nach Emily und Rudolf Manga Bell erfolgen, die sich gegen das koloniale Unrecht, den Vertragsbruch durch die deutsche Kolonialverwaltung und gegen die zunehmend schlechter werdenden Bedingungen für ihr Volk friedlich zu Wehr setzten, was Rudolf Manga Bell die Todesstrafe ei brachte. Er ist in Kamerun ein Märtyrer und Volksheld, seine Frau wird in ehrender Erinnerung bewahrt.

 


Petitum/Beschluss:

 

  1. Der Regionalausschuss Langenhorn-Fuhlsbüttel-Ohlsdorf-Alsterdorf-Groß Borstel setzt die Arbeitsgruppe Straßennamen des Ausschusses unter Einbeziehung einer/s Vertreterin/s des AK Hamburg Postkolonial ein und erarbeitet Vorschläge zur Umbenennung.

 

  1. Der o. g. Vorschlag des AK Hamburg Postkolonial wird von der Arbeitsgruppe Straßennamen bei der Namensfindung berücksichtigt.

 

 

  1. Ein kleines zusätzliches Schild soll jeweils am Straßenschild über die Gründe der Umbenennung informieren.

 

 

DIE LINKE

 

Lars Buchmann,

Henning Boddin,

Karin Haas,

Rachid Messaoudi,

Herbert Schulze,

Angelika Traversin

 

 

 

 

 


Anlage/n:

Keine