Bezirksversammlung Hamburg-Nord

Drucksache - 20-3153  

 
 
Betreff: Hamburg wird Fahrradstadt - Freizeitroute 12 zwischen Alsterdorf und Norderstedt aufwerten!
Stellungnahme der Behörde für Inneres und Sport und der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Verbraucherschutz
Status:öffentlichDrucksache-Art:Mitteilungsvorlage vorsitzendes Mitglied
  Aktenzeichen:123.30-04/0004
Federführend:Interner Service   
Beratungsfolge:
Bezirksversammlung -
15.09.2016 
Sitzung der Bezirksversammlung (offen)   
Ausschuss für Umwelt, Verkehr und Verbraucherschutz -
27.09.2016 
Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Verkehr und Verbraucherschutz zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag
Anlage/n

Sachverhalt:

 

Der Flughafen Hamburg nutzt für seine verschiedenen Einrichtungen eine Fläche von 570 Hektar. Das gesamte zwischen Hamburg und Norderstedt gelegene Areal kann nicht durchquert werden, weshalb das Verkehrsaufkommen an seinem Rand besonders groß ist. Für den Kfz-Verkehr wurde daher eigens die Ortsumgehung Fuhlsbüttel gebaut. Für den Radverkehr wurden bislang leider noch keine vergleichbaren Maßnahmen ergriffen. Auch er sucht sich aber seinen Weg – und hat ihn in der Freizeitroute 12 (FR 12, [1]) gefunden. Diese Strecke ist auf dem Abschnitt zwischen Sengelmannstraße und Tarpenbekstraße (Norderstedt) die Hauptroute für den Radverkehr von und nach Norderstedt.

Im südlichen Flughafenumfeld (Lufthansa Technik), in der City Nord und bei Philips gibt es viele Arbeitsplätze, die von Norderstedter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auf diese Weise gut erreicht werden können. Umgekehrt gibt es Menschen aus Barmbek oder Alsterdorf, die in Norderstedt bei Tesa oder im Garstedter Gewerbegebiet rund um den Gutenbergring arbeiten. Die FR 12 wird also entgegen ihres Namens hauptsächlich von Berufspendlerinnen und -pendlern genutzt. Jeder Radfahrende auf dieser Route bedeutet weniger volle U-Bahnen und weniger Kfz-belastete Straßen andernorts. Diese Route sollte daher baulich aufgewertet werden, um sie noch attraktiver für den Radverkehr zu machen. Dafür wird hiermit ein Paket aus vielen kleineren Maßnahmen vorgeschlagen, die zusammengenommen das Radfahren zwischen Norderstedt und Fuhlsbüttel/Alsterdorf attraktiver machen.

 

 

Vor diesem Hintergrund möge die Bezirksversammlung beschließen:

  1. Ampelschaltung Sengelmannstraße / Alsterkrugchaussee

Aus Richtung Norden kommend ist die Ampelschaltung für die Sengelmannstraße querende Radler auf der Alsterkrugchaussee sehr unattraktiv und schwer nachvollziehbar. Es müssen drei aufeinanderfolgende und mit kleinen Inseln getrennte Ampeln überquert werden. Dabei sind für die erste und die zweite offenbar Räumzeiten von 40 bzw. 60 Sekunden hinterlegt. Diese Zeit scheint selbst für auch von Fußgängern genutzte Ampeln zu lang zu sein. Aufgrund der sehr langen Rotphase, während der keine Kfz fahren, führt diese Ampelschaltung dazu, dass viele Radfahrende bei Rot queren. Zudem wird die Reisezeit unnötig verlängert.

Das vorsitzende Mitglied setze sich bei der zuständigen Fachbehörde dafür ein, dass geprüft werden möge, ob eine Ampelschaltung mit kürzeren Räumzeiten und längeren Grünphasen möglich ist.

  1. Zeppelinstraße Nebenfahrbahn

a)      Das vorsitzende Mitglied setzt sich bei der zuständigen Fachbehörde dafür ein, die Radwegbenutzungspflicht auf der Nebenfahrbahn der Zeppelinstraße aufzuheben und diese Einbahnstraße auch für den gegenläufigen Radverkehr freizugeben. Sollte das nicht möglich sein, so setzt das vorsitzende Mitglied sich dafür ein, dass zumindest die Radwegbenutzungspflicht in Fahrtrichtung der Einbahnstraße aufgehoben wird.

b)      Der Bezirksamtsleiter wird gebeten, vom südlichen Ende der Nebenfahrbahn der Zeppelinstraße aus (in Fahrtrichtung Süden) eine Aufleitung auf den Zweirichtungs-Bestandsradweg zu prüfen.

  1. Planespotter-Platz

Zwischen Flughafenstraße und Holtkoppel gibt es einen gemeinsamen Geh- und Radweg (Teil der Freizeitroute (FR) 12). Der Bezirksamtsleiter möge prüfen lassen, ob der höchste Punkt dieses Weges durch Zurückversetzen der Zäune zum Flughafen aufgeweitet und so ein attraktiver Platz (mit Bänken und Mülleimern) für Planespotter geschaffen werden kann. Das Ziel ist, Konflikte zwischen Planespottern und Radfahrer*innen zu reduzieren. Die entsprechenden Umbaumaßnahmen sollen mit Kostenschätzung auf die Liste der zu priorisierenden Tiefbaumaßnahmen für den Radverkehr gesetzt werden.

  1. Einmündung des Fuß- und Radweges in die Holtkoppel (Abzweigung nach Süden) bzw. Kniep

Das vorsitzende Mitglied setzt sich bei der zuständigen Fachbehörde dafür ein, dass geprüft werden möge, ob statt der derzeitigen Regelung (FR 12 hat durch Aufpflasterung keine Vorfahrt) eine durch bauliche Maßnahmen unterstützte Bevorrechtigung der Nord-Süd-Fahrtrichtung möglich ist. Die heutigen Bordsteinkanten sollten entfallen oder in ihrer Höhe reduziert werden. Die betreffende Fläche gehört zum allgemeinen Grundvermögen und wird nicht vom Bezirksamt verwaltet.

  1. Querung Holtkoppel

Der Bezirksamtsleiter möge prüfen lassen, ob an der Querung der Holtkoppel auf der Südseite eine Reduktion der Höhe der Bordsteinkante  möglich ist. Möglicherweise ist hier eine Instandsetzung ausreichend (Fahrbahn abgesackt).

  1. Weg zwischen Holtkoppel und Krohnstieg

Der Bezirksamtsleiter möge auf dem gepflasterten Weg dafür sorgen, dass die in den Ritzen wachsenden Gräser entfernt werden. So wird die ursprüngliche Breite des Weges wieder für den Verkehr nutzbar gemacht. Diese Unterhaltungsmaßnahme soll in Zukunft regelmäßig erfolgen.

 

 

  1. Querung Jugendparkweg

 

Der Bezirksamtsleiter lässt prüfen, inwiefern die Straße Jugendparkweg westlich der Querung der FR 12 zwingend als asphaltierte Fahrbahn erforderlich ist und für den Kfz-Verkehr zugänglich sein muss. Sollte diese Prüfung negativ ausfallen, könnte der Jugendparkweg westlich der Querung der FR 12 entsiegelt  (ökologischer Ausgleich) und durch einen in Parkanlagen üblichen Geh- und Radweg ersetzt werden. Die gepflasterten Abschnitte der FR12 nördlich und südlich des Jugendparkweges könnten durch eine einheitliche Pflasterung verbunden werden.

  1. Querung Eekboomkoppel

Die Straße Eekboomkoppel hat gegenüber der FR 12 Vorfahrt. Da die Eekboomkoppel für den Verkehr in Langenhorn nur von geringer, die FR12 jedoch von hoher Bedeutung ist, liegt es nahe, die Vorfahrtsregelung hier umzukehren.

Das vorsitzende Mitglied setzt sich bei der zuständigen Fachbehörde dafür ein, dass diese prüfen möge, ob einer möglichen Vorfahrtsregelung für die FR12 gegenüber der Straße Eekboomkoppel zugestimmt werden kann. Die zuständige Fachbehörde berät das Bezirksamt Hamburg-Nord, welche bauliche Lösung zustimmungsfähig wäre. Eine solche Lösung ist in der Plast 9 im Kapitel 6.5.2 a) beschrieben. Als Beispiel kann die Hainbuchenallee in Allermöhe gelten. Die Unfalllage dort ist nach Aussage des örtlichen PKs unauffällig.

Die erforderlichen Baumaßnahmen sollen mit Kostenschätzung auf die Liste der zu priorisierenden Tiefbaumaßnahmen für den Radverkehr gesetzt werden.

  1. Bordsteinabsenkung Eekboomkoppel Richtung Rittmerskamp

Vom Rittmerskamp kommend führt rechts ein Wanderweg von der Eekboomkoppel in die nördlich der Eekboomkoppel liegenden Grünfläche (der Weg trifft im weiteren Verlauf auf die FR 12). Hier befindet sich jedoch trotz des vorhandenen Wanderweges ein Hochbord. Die Absenkung des Bordsteins an dieser Stelle wird auf die Liste der zu priorisierenden Maßnahmen zur Finanzierung aus dem Fonds „Barrierefreier Bezirk“ gesetzt.

  1. Weg zwischen Eekboomkoppel/Rittmerskamp und Kulenstück

Der Bezirksamtsleiter setzt sich mit besonderem Nachdruck bei der Bundesforstverwaltung dafür ein, dass diese den zugewachsenen Weg samt der Verzweigung am südlichen Ende wieder in der ursprünglichen Breite von drei Metern herstellt und mit einem verkehrssicheren Belag ausstattet. Zudem müssen in den Weg ragendes Buschwerk und Bäume zurückgeschnitten werden.

  1. Weg zwischen Masenkamp und Tarpenring

Der Bezirksamtsleiter möge prüfen lassen, ob der genannte Weg auf drei Meter Breite ausgebaut werden kann. Zudem sollte die versteckt liegende Einfahrt aus Richtung Süden besser erkennbar gemacht bzw. begradigt werden. Für die erforderlichen Baumaßnahmen soll eine Kostenschätzung entwickelt werden, außerdem ein Vorschlag aus welchem Titel die Maßnahme finanziert werden könnte.

  1. Querungshilfe Tarpen

Das vorsitzende Mitglied setze sich bei der zuständigen Fachbehörde dafür ein, dass an der westlichen Einmündung des Tarpenring in die Straße Tarpen eine Querungshilfe über die Straße Tarpen geprüft werden möge (z.B. eine Sprunginsel analog zur westlich benachbarten Kreuzung). Aus Richtung Süden kommend müssen Radler hier zu Zeiten des Berufsverkehrs oft sehr lange warten, bis sie eine Möglichkeit zum Linksabbiegen in die Straße Tarpen erhalten.

  1. Fahrradstreifen Tarpen

Das vorsitzende Mitglied setze sich bei der zuständigen Fachbehörde dafür ein, dass die Straße Tarpen mindestens zwischen Tarpenring und der Sprunginsel an der Landesgrenze mit Radfahrstreifen ausgestattet wird. Heute gibt es hier nur nicht benutzungspflichtige Hochbordradwege oder Tempo 50 im Mischverkehr, beides genügt nicht der Verkehrssicherheit.

 

 

Für die SPD-FraktionFür die GRÜNE Fraktion

Thomas DomresMichael Werner-Boelz

Thomas KegatThorsten Schmidt

 

Die Bezirksversammlung beschließt den Antrag einstimmig.

 

Die Verkehrsdirektion 5 als Zentrale Straßenverkehrsbehörde nimmt im Einvernehmen mit der örtlich zuständigen Straßenverkehrsbehörde des Polizeikommissariats 34 wie folgt Stellung:

 

Zu 1)

Der gesamte Kreuzungsbereich Alsterkrugchaussee / Sengelmannnstraße / Flughafenstraße wurde im März 2016 signaltechnisch verändert. Zur Verbesserung der Radfahrersituation in Richtung Süden wurden die Furten über die Zeppelinstraße mit Radfahrersignalen ergänzt, um auch spät ankommenden Radfahrern eine Querung in einem Zug zu ermöglichen.

 

Gleichzeitig wurde im gesamten Knotenbereich die gegenläufige Umfahrung für Radfahrer zugelassen. Entsprechende Markierungen wurden ergänzt und die Furten mit sogenannten Kombimasken nachgerüstet.

 

Zu 2)

In diesem Bereich ist es unerlässlich, dass Radfahrende den baulichen Radweg nutzen. Ob  in Fahrtrichtung oder entgegen der Einbahnstraßenregelung besteht beim Benutzen der Fahrbahn die Gefahr, auf die Hauptfahrbahn der Zeppelinstraße zu geraten. Dort gerät man dann entweder in den Gegenverkehr des Zubringers zur Umgehung Fuhlsbüttel oder auf den Zubringer selbst, bei dem es sich um eine Kraftfahrstraße handelt.

Der in Rede stehende benutzungspflichtige Radweg ist komfortabel und gut ausgebaut. Es besteht kein Grund, die Radwegebenutzungspflicht aufzuheben. 

Eine Unfallauswertung ergab, dass es in den zurückliegenden drei Jahren keine Verkehrsunfälle mit Radfahrenden gegeben hat. 

 

Zu 3)

Keine Beantwortung durch Polizei.

 

Zu 4)

An dieser Stelle treffen sowohl Fahrbahnen von kleinen Straßen bzw. Wirtschaftswegen als auch Geh- und Radwege aufeinander. Eine Vorfahrtregelung besteht nicht. Hier ist ein einvernehmliches Verhalten zwischen allen Verkehrsteilnehmern erforderlich. Es gibt keinen Grund, eine bestimmte Richtung oder Verkehrsart zu bevorzugen. Anzumerken ist, dass insbesondere das Kraftfahrzeugaufkommen als äußerst gering einzustufen ist.

 

Zu 5)

Keine Beantwortung durch Polizei.

 

Zu 6)

Keine Beantwortung durch Polizei.

 

Zu 7)

Siehe Antwort zu 4.

 

Zu 8)

Die beschriebene Lösung wäre aus polizeilicher bzw. straßenverkehrsbehördlicher Sicht denkbar, wobei keine Angaben zur tatsächlich Nutzung der Straße einerseits und der Freizeitroute andererseits bekannt sind.

 

Zu 12)

Durch die StVO-Novelle gelten Radfahrer als gleichberechtige Verkehrsteilnehmern gegenüber Kraftfahrern, was eine positive Entwicklung ist. Der Bau einer Querungshilfe dürfte jedoch nicht ohne Verbreiterung des gesamten Straßenraumes möglich sein.

Der Straßenverkehrsbehörde müsste eine Planung zur Prüfung durch den Straßenbaulastträger vorgelegt werden.

 

Zu 13)

Ein Fahrradstreifen wäre möglicherweise auf gesamter Länge der Straße Tarpen sinnvoll, aber aufgrund von fehlenden Breiten nicht möglich.

Der Straßenverkehrsbehörde müsste eine Planung zur Prüfung durch den Straßenbaulastträger vorgelegt werden.

 

Anmerkung:

Die örtliche Straßenverkehrsbehörde und die Verkehrsdirektion 5 haben die Strecke gemeinsam besichtigt. Dabei fiel auf, dass es nur eine unzureichende bzw. keine wegweisende Beschilderung für Radfahrende zum Flughafen gibt.

 

Stellungnahme (Teil II) der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation:

 

Zu 3.

Der zuständigen Behörde scheint der vorgeschlagene Umbau grundsätzlich möglich. Aufgrund der Nähe zur Anflugbefeuerung kann jedoch eine Gefährdung des Flugbetriebes ggf. nicht ausgeschlossen werden. Daher ist bei einer Konkretisierung der Maßnahme eine Prüfung der Planunterlagen durch das Luftfahrtreferat der zuständigen Behörde erforderlich.

 

 

Zu 12. und 13.:

Die Überprüfung von Querungshilfen am Knoten Tarpen / Tarpenring  und Radfahrstreifen in der Straßen Tarpen bedarf einer gesamtheitlichen Überplanung.

Derzeit kann noch nicht abgesehen werden, wann eine solche Überplanung durchgeführt werden könnte.

 


Petitum/Beschluss:

 

Um Kenntnisnahme wird gebeten.

 

 

Dagmar Wiedemann

 

[1] gruenlink.de/151q (Quelle: ADFC Hamburg)  oder 

www.geoportal-hamburg.de/Geoportal/geo-online
> "Transparenzportal Hamburg"

> "Transport und Verkehr"

> "Velo- und Freizeitroutennetz Hamburg"

> "Freizeitroute12" auswählen

 


Anlage/n:

 

Fotos

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