Bezirksversammlung Hamburg-Nord

Drucksache - 20-1869  

 
 
Betreff: Käkenhof
Stellungnahme des Bezirksamtes
Status:öffentlichDrucksache-Art:Mitteilungsvorlage Bezirksamt
  Aktenzeichen:123.50-04
Federführend:Interner Service   
Beratungsfolge:
Regionalausschuss Langenhorn-Fuhlsbüttel-Alsterdorf-Groß Borstel -
14.09.2015 
Sitzung des Regionalausschusses Langenhorn-Fuhlsbüttel-Alsterdorf-Groß Borstel vertagt   
05.10.2015 
Sitzung des Regionalausschusses Langenhorn-Fuhlsbüttel-Alsterdorf-Groß Borstel (offen)   
Regionalausschuss Langenhorn-Fuhlsbüttel-Alsterdorf-Groß Borstel -
09.11.2015 
Sitzung des Regionalausschusses Langenhorn-Fuhlsbüttel-Alsterdorf-Groß Borstel zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag
Anlage/n

Sachverhalt:

 

Der Regionalausschuss hat sich in seiner Sitzung am 06.07.2015 aufgrund eines gemeinsamen Antrags der Fraktionen SPD und Die Grünen eingehend mit dem Thema befasst und einstimmig folgende Beschlussempfehlung getroffen:

 

Die Bezirksverwaltung wird gebeten, im Regionalausschuss eine Einschätzung zur derzeitigen Lage des Einkaufszentrums Käkenhof und Umgebung, z.B. Hotel Tomfort, und zu seinen Entwicklungsmöglichkeiten abzugeben.  Hierbei sind die städtebaulichen, verkehrlichen und umweltpolitischen Aspekte ebenso in den Fokus zu nehmen wie die Expertise der bezirklichen Wirtschaftsförderung.

 

Begründung:

Mit viel öffentlichem Geld und großem Engagement der beteiligten haupt- und ehrenamtlichen Akteure wurde in den vergangenen Jahren das „rdergebiet Essener Straße“ vorangebracht. Zahlreiche Verbesserungen für das Zusammenleben der Menschen in diesem Wohnquartier sind die Folge.

 

Der Nahversorgungs- und Dienstleistungsstandort Käkenhof bleibt trotz dieser Bemühungen allerdings ein Sorgenkind.

Ein Wochenmarkt konnte sich nicht halten und die Zahl  und Vielfalt der ansässigen Einzelhandelsbetriebe und Dienstleister stagniert seit mehreren Jahren auf ausbaufähigem Niveau.

 

Auch wenn sich z.B. der örtliche Supermarkt „Markant“ ein gutes und zeitgemäßes Angebot aufrecht erhält und für den Platz eine wichtige Ankerfunktion innehat, füllt der Käkenhof insgesamt seine Rolle als Quartierszentrum nicht im ursprünglich zugedachten Maße aus. Seine etwas versteckte Lage „in zweiter Reihe“  ist sicher hierfür auch ein Grund.

 

Immer wieder war zu hören, „Markant“nsche sich eine Ausweitung seiner Verkaufsfläche, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Bislang ist eine solche Erweiterung nicht erfolgt. Unklar ist, woran das genau liegt und ob für Politik und/oder Verwaltung Möglichkeiten bestehen, Rahmenbedingungen für ein solches Vorhaben zu verbessern oder zu schaffen.

 

Gleichzeitig ist zu beobachten, dass die SAGA/GWG als Grundeigentümerin am Standort zum Teil auch sehr lange Leerstände  der örtlichen Ladenfläche in Kauf nimmt.  Auch ihre „Parkpalette“ am Käkenkamp scheint eher untergenutzt.

 

Durch bereits getätigte bzw. vorgesehene Wohnungsbaumaßnahmen auf dem ehemaligen Gelände des Krankenhauses Ochsenzoll entsteht nur wenige hundert Meter östlich vom Käkenhof derzeit ein komplett neues Quartier. Die Umgebung des Käkenhofs erfährt also einen kräftigen Zuwachs an Kaufkraft und  Nachfragepotenzial mindestensr die Güter des alltäglichen Bedarfs.

 

Gerade jetzt, wo viele Zuzüge von Anwohnern stattfinden und noch bevorstehen, dürften  verstärkte Anstrengungen und Überlegungen  lohnenswert sein, mit dem Ziel, die Auffindbarkeit, verkehrliche Erreichbarkeit und Attraktivität des Käkenhofs zu steigern.

 

Dies könnte- neben der bereits angeschobenen Erweiterung und Bestandssicherung des „ella Kulturhauses“- ein weiterer wichtiger Beitrag zur Integration der betroffenen Quartiere sein.

 

Der Hauptausschuss folgt der Beschlussempfehlung einstimmig.

 

Das Bezirksamt nimmt hierzu wie folgt Stellung:

 

Das Bezirksamt Hamburg-Nord – vertreten durch die Fachämter Stadt- und Landschaftsplanung, Sozialraummanagement und das Zentrum für Wirtschaftsförderung, Bauen und Umwelt – hat seit 2008 große Anstrengungen unternommen, parallel zu dem Prozess der integrierten Stadtteilentwicklung im Fördergebiet Essener Straße auch die Bedeutung des Quartierszentrums Käkenhof als Nahversorgungsstandort zu stärken und weiterzuentwickeln.

 

Ausgelöst durch mehrere Vorbescheidsanträge, die sich auf das Grundstück Langenhorner Chaussee 577/579 bezogen und an Stelle des Hotels Tomfort, von dem sich die jetzigen Eigentümer trennen möchten, die Errichtung eines Lebensmittel-Discounters zum Ziel hatten, hat das Bezirksamt im Mai 2008 die Aufstellung des Bebauungsplan-Entwurfs Langenhorn 74 eingeleitet. Diese Art der Nutzung ist nach dem geltenden Planrecht Langenhorn 51 (Kerngebiet entlang der Langenhorner Chaussee) auf dem Grundstück zulässig und ist daher grundsätzlich zu genehmigen. Daher wurde mit Hilfe einer Veränderungssperre ein Zeitfenster geschaffen, um gemeinsam mit den beteiligten Akteuren ein Gesamtkonzept für das Quartierszentrum zu entwickeln, das als Ziel die Stärkung, Steigerung der Attraktivität und Erreichbarkeit und damit den langfristige Erhalt des Versorgungszentrums Käkenhof anstrebte.

 

Zielrichtung war dabei die Entwicklung einer konstruktiven Lösung, die zu einer Bestandssicherung und Stärkung des Markant-Marktes als Vollsortimenter durch die Ergänzung des Discounters an der Langenhorner Chaussee führt, da in der derzeitigen räumlichen Konstellation eine ernsthafte Konkurrenzsituation für den Markant-Markt entstehen würde.

Entwickelt wurde dazu eine Lösung, die beide Lebensmittelmärkte räumlich und funktional zu einem kommerziellen Zentrum zusammenführen könnte. Dazu war angedacht, die untergenutzte Parkpalette der SAGA abzureißen, um mit einer neuen baulichen und freiraumplanerischen Gestaltung eine Verbindung herzustellen. Hiermit könnte ein neuer Eingangsbereich zum Nahversorgungszentrum Käkenhof entstehen und dem durch seine introvertierte Lage benachteiligten Markant-Markt zu größerer Aufmerksamkeit verholfen werden. Für eine ausreichende Nachfrage ist ein über die direkte Nachbarschaft hinausgehender Kundenstamm erforderlich, der so aus dem neuen Wohnquartier OxPark sowie durch die Anbindung an die Hauptverkehrsstraße generiert werden könnte.

 

Zum anderen wurde das Konzept verfolgt, die sozio-kulturellen Einrichtungen im Quartier unter einem Dach am Standort Käkenflur zu bündeln. Dies hätte durch Integration in den neuen Discounter-Baukörper an der Langenhorner Chaussee erreicht werden können, oder durch eine Ansiedlung am Marktplatz Käkenflur, der sich dann als sozio-kulturelles Zentrum hätte herausbilden können.

 

Leider konnten beide konzeptionellen Ziele bislang nicht umgesetzt werden. Die Ansiedlung des Discounters scheiterte letztlich aufgrund der Erschließungsproblematik und diesbezüglicher Protesten einer benachbarten Bürgerinitiative. Auch die vielversprechenden Ansätze, im Obergeschoss des Discounter-Gebäudes das ella-Kulturhaus und weitere soziale und kulturelle Einrichtungen unterzubringen, konnten daher nicht umgesetzt werden.

 

Die SAGA GWG ist als Eigentümer der Parkpalette und Vermieter des Markant-Marktes erforderlicher Partner und Schlüsselakteur für ein gemeinsames Zukunftskonzept, das nur entwickelt werden kann, wenn sie proaktiv und gestaltend mitwirkt. Die SAGA GWG könnte so die Gebietsversorgung sicherstellen und es zudem erreichen, vorhandene und künftig zu befürchtende Leerstände an Ladenflächen am Käkenhof zu verhindern.

 

Da sich die Lösungskonzepte auf städtebaulicher Ebene nicht umsetzen ließen, wurde der Bebauungsplan Langenhorn 74 nach dem Auslaufen der Veränderungssperre im Mai 2011 nicht weiter verfolgt.

 

Derzeit liegt ein Bauantrag eines anderen Lebensmittel-Discounters vor, sich auf den Flächen des Hotels Tomfort anzusiedeln. Die verkehrlichen Belange wären nach Aussage des Fachamtes Management des öffentlichen Raumes bei einem Umbau der Langenhorner Chaussee und einer Anbindung Tückobsmoor lösbar. Es ist seitens der Verwaltung beabsichtigt, das Bauvorhaben im örtlich zuständigen Bauausschuss noch im laufenden Jahr, versehen mit einem positiven Petitum, vorzustellen.

 

Für das ella-Kulturhaus konnte mit Hilfe von SAGA GWG und RISE-Mitteln eine kleine Erweiterung sowie die Herstellung der Barrierefreiheit am Bestandsort angeschoben werden. Damit wird die Einrichtung absehbar an ihrem bisherigen Standort gesichert. 

 

Eine Erweiterung der Verkaufsflächen des Markant-Marktes ist nach geltendem Planrecht (Langenhorn 51) unzulässig. Bereits der heute bestehende eingeschossige Anbau am Käkenkamp liegt außerhalb der geltenden Baugrenzen. Bei einer angestrebten Erhöhung der Verkaufsfläche von derzeit 800 m² auf mindestens das Doppelte fällt der Markt nicht mehr unter die im allgemeinen Wohngebiet zulässige Kategorie der einer „Versorgung des Gebietes dienenden Läden“. Die Ausweisung des Bebauungsplans Langenhorn 51 für allgemeines Wohngebiet müsste daher in Kerngebiet geändert werden und eine Erweiterung der Baugrenzen erfolgen.

 

Da die Entwicklung des oben beschriebenen Gesamtkonzepts für das Quartierszentrum nicht umsetzbar war, besteht aus Sicht der Bezirksverwaltung derzeit keine Notwendigkeit für eine Änderung des geltenden Planrechts. Diese könnte daher nur in Form eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans erfolgen, dessen Kosten von den benachbarten Grundeigentümern SAGA GWG / Bartels-Langness (Markant) zu tragen wären.

Dabei sind der Nachweis einer funktionalen und anwohnerverträglichen Anlieferung, eine lärmtechnische Untersuchung, der Nachweis der erforderlichen Stellplätze, eventuell die Planung einer Umgestaltung des Käkenkamps sowie die Beachtung vorhandenen Baumbestandes als Rahmenbedingungen zu beachten bzw. als Voraussetzungen zu erfüllen.

Diese Umstände sind der SAGA GWG sowie Bartels-Langness seit 2011 bekannt, da hierzu mehrere Gespräche im Bezirksamt Hamburg-Nord stattgefunden haben.

 

 

 


Petitum/Beschluss:

 

Um Kenntnisnahme wird gebeten.

 

 

Harald Rösler

 


Anlage/n:

 

Keine