Bezirksversammlung Hamburg-Nord

Auszug - Namensgebung für den im Rahmen der Umgestaltung des Langenhorner Marktes neu gestalteten "Dorfteich-Park" an der südlichen Tangstedter Landstraße Beschlussempfehlung des Regionalausschusses Langenhorn-Fuhlsbüttel-Alsterdorf-Groß Borstel  

 
 
Sitzung der Bezirksversammlung
TOP: Ö 9.2
Gremium: Bezirksversammlung Beschlussart: ungeändert beschlossen
Datum: Do, 12.04.2012 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 18:00 - 21:22 Anlass: Sitzung
Raum: Großer Sitzungssaal
Ort: Robert - Koch - Straße 17, 20249 Hamburg
1313/12 Namensgebung für den im Rahmen der Umgestaltung des Langenhorner Marktes
neu gestalteten "Dorfteich-Park" an der südlichen Tangstedter Landstraße
Beschlussempfehlung des Regionalausschusses Langenhorn-Fuhlsbüttel-Alsterdorf-Groß Borstel
   
 
Status:öffentlichDrucksache-Art:Beschlussempfehlung Ausschuss
  Aktenzeichen:BV
Federführend:D1 - Dezernat Steuerung und Service   
 
Protokoll

Freie und Hansestadt Hamburg

Bezirksamt Hamburg-Nord

Bezirksversammlung

 


 

Auszug aus der Niederschrift

der 13. Sitzung des Gremiums

Bezirksversammlung

am 12.04.2012

öffentlich

 

 


Tagesordnungspunkt 9.2 : 1313/12

 

!Titel!


Namensgebung für den im Rahmen der Umgestaltung des Langenhorner Marktes

neu gestalteten „Dorfteich-Park“ an der südlichen Tangstedter Landstraße

Beschlussempfehlung des Regionalausschusses Langenhorn-Fuhlsbüttel-Alsterdorf-Groß Borstel


 


 


                                                                                                                                                                                                      


 


Herr Messaoudi erläutert, im Bereich Langenhorn gibt es eine Vielzahl von wichtigen Themen und Projekte, mit denen sich beschäftigt werden muss. Er kann deshalb nicht nachvollziehen, dass man sich mit der Umbenennung eines Parks nach Franz Röttel auseinandersetzt. Nach Recherchen von CDU-, GAL- und DIE LINKE-Fraktion ist den Langenhornern dieser Name nicht geläufig ist. Außerdem scheint die Umbenennung auch niemand in Langenhorn zu interessieren. Es besteht weder die Notwendigkeit einer Umbenennung, noch würde man sich bei einer Umbenennung für den Namen Franz Röttel entscheiden. Franz Röttel hat sich zwar für die Anlegung dieses Parks eingesetzt, dies aber im Rahmen seiner parlamentarischen Arbeit. Dies scheint kein angemessenes Kriterium. Er gibt außerdem zu bedenken, dass es sich um eine ehemalige Viehtränke handelt und bezweifelt, dass es sich um eine Ehre handelt, wenn man den Park um diese Viehtränke nach einem Politiker benennt. Außerdem wurde dieser Namensvorschlag entgegen dem im Regionalausschuss vereinbarten Verfahren von der SPD-Fraktion eingebracht.

 

Herr Werner-Boelz weist darauf hin, dass der „Park am Dorfteich“ letztes Jahr in Bezug auf seinen Namen für 150.000 € umgestaltet wurde. Es wurden z.B. bespielbare Holzfiguren in Form von Kühen errichtet. Eine Umbenennung erscheint in diesem Zusammenhang nicht sinnvoll. Da Benennungen grundsätzlich Konfliktpotential bergen, hat der Regionalausschuss Langenhorn-Fuhlsbüttel-Alsterdorf-Groß Borstel ein geordnetes Verfahren mit einer Benennungs-AG entwickelt, um Konflikten entgegenzuwirken. Dieses Verfahren wurde anfangs ignoriert, und im weiteren Verfahren wurde auch keine Kompromissbereitschaft gezeigt, um zu einem einvernehmlichen Ergebnis zu kommen. Es stellt sich die Frage, was Franz Röttel auszeichnet. In diesem Zusammenhang kann lediglich die gescheiterte Wahl der sozialdemokratischen Kandidatin für das Amt der Bezirksamtsleitung 1990 angeführt werden. 

 

Herr Malik  stellt dar, mit dem Antrag wurde eine Anregung von Bürgerinnen und Bürgern in Langenhorn aufgegriffen. Langenhorner, die gemeinsam mit Franz Röttel, auf seine Initiative hin, in Langenhorn viel bewegt haben. Dieser Initiative ist es auch zu verdanken, dass dieser Park überhaupt geschaffen wurde. Der Park ist deshalb vielen Langenhornern inoffiziell als „Röttel-Park“ bekannt. Die Leistungen von Franz Röttel für Langenhorn stehen außer Frage.1994 wurde Franz Röttel für seine Verdienste mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Franz Röttel wurde in Mähren im Sudetenland geboren. Er und seine Familie wurden von der NSDAP misshandelt und verfolgt, was seinen späteren Einsatz für eine demokratische Gesellschaftsordnung maßgeblich bestimmte. In Langenhorn gründete er einen Kulturkreis, organisierte Aktivitäten für ältere und behinderte Bürger. Er war maßgeblich an der Einrichtung des Langenhorner Bürgerhauses, der Errichtung einer Altentagesstätte, der Einrichtung einer Sozialstation und bei der Umwandlung von Behelfsheimgebieten für den sozialen Wohnungsbau, an Maßnahmen zur Reduzierung der Fluglärmbelastung und dem Bau verschiedener Jugendheime in Langenhorn beteiligt. Franz Röttel ist vielen Langenhornern als „Kümmerer“ für den Stadtteil im Bewusstsein geblieben. Den Langenhornern ist die Benennung ein besonderes Anliegen und deshalb richtig und angemessen.

 

Herr Lindenberg macht deutlich, es kann nicht sein, dass hier jemand posthum bestraft wird, der seinem Gewissen gefolgt ist und sich bei einer Abstimmung der vorgeschriebenen Parteiräson widersetzt hat. Er weist nochmals darauf hin, dass Franz Röttel als Jungsozialist im 3. Reich verfolgt und mehrfach auch in Fuhlsbüttel inhaftiert wurde. Nach dem Krieg hat er sich für die Belange der Schwerbehinderten eingesetzt und als Bezirksabgeordneter viel für Langenhorn erreicht. Die FDP-Fraktion befürwortet deshalb die Benennung nach Franz Röttel. 

 

Herr Werner-Boelz kritisiert nochmals, dass ein abgesprochenes Verfahren zwischen den Fraktionen hier wiederholt brüskiert wurde. Wünschenswert wäre es auch gewesen, dass Informationen, wie die Inhaftierung von Franz Röttel im Konzentrationslager Fuhlsbüttel, im Antrag erwähnt werden. Er erklärt, die GAL- und die DIE LINKE-Fraktion beantragen namentliche Abstimmung.

 

Herr Domres weist darauf hin, dass die Frage, ob Franz Röttel sich bei der Abstimmung der Parteiräson entzogen hat, gar nicht beantwortet werden kann, da es sich um eine geheime Wahl gehandelt hat. Er findet es geschmacklos, dass Franz Röttel hier öffentlich diskreditiert wird.

 

Herr Lücke erklärt, das Verfahren kann, wie bereits mehrfach dargestellt, in seiner Gesamtheit nur kritisiert werden. Es ist deshalb fraglich, wenn derart viele Formfehler im Vorwege begangen werden, ob dies mit der Ehrung eines verdienten Menschen vereinbar ist. Auch sollte bedacht werden, dass Franz Röttel alternativ für viele andere Dinge geehrt werden könnte. Fraglich ist, warum muss dies gerade der „Park am Dorfteich“ sein. Ein Bereich, der gerade für viel Geld so umgestaltet wurde, dass der Dorfcharakter unterstrichen wird. 


 


Die Bezirksversammlung folgt der Beschlussempfehlung mehrheitlich mit den Stiimmen von Herrn Martin Badel, Herrn Jan-Tobias Behnke, Frau Angelika Bester, Frau Maria Buter, Herrn Claus-Joachim Dickow, Herrn Thomas Domres, Herrn Michael Franke, Herrn Dr. Jan Freitag, Herrn Neithard Genz, Herrn Carsten Gerloff, Frau Gabriele Greguhn, Herrn Markus Hahn, Herrn Werner Hansen, Herrn Alexander Hartwig, Herrn Thomas Kegat, Frau  Daniela Kerkow, Herrn Christopher Leineweber, Herrn Jörg Lewin, Herrn Ralf Lindenberg, Frau Heike Lucas, Herrn Gulfam Malik, Frau Alice Otto, Frau Karin Ros, Frau Jenny Sobotta, Frau Dagmar Wiedemann und Frau Helgard Winkel bei Gegenstimmen von Herrn Martin Bill, Frau Christine Brüggemann, Herrn Lars Buchmann, Frau Gisela Busold, Herrn Kai Elmendorf, Herrn Réne Gögge, Herrn Jens Grapengeter, Herrn Markus Gronau, Frau Karin Haas, Frau Sabine Liebe, Herrn Tobias Lücke, Herrn Rachid Messaoudi, Frau Karin Nielsen, Herrn Christoph Ploß, Herrn Michael Schilf, Herrn Thorsten Schmidt, Herrn Dr. Andreas Schott, Frau Elisabeth Voet van Vormizeele, Herrn Michael Werner-Boelz, Herrn Ekkehart Wersich, Frau Carmen Wilckens und Herrn Dr. Jens Wolf.


 

 

 

Wiedemann              Kolland

Vorsitzendes Mitglied               Geschäftsstelle der Bezirksversammlung