Bezirksversammlung Hamburg-Nord

Auszug - Umbenennung des Emily-Ruete-Platzes Gemeinsamer Antrag von GRÜNE- und SPD-Fraktion  

 
 
Sitzung des Regionalausschusses Barmbek-Uhlenhorst-Hohenfelde-Dulsberg - Bitte beachten Sie: Aufgrund der derzeitigen Vorsichtsmaßnahmen im Rahmen der Bekämpfung des Coronavirus sind ausschließlich Vertreter der Presse als Zuhörer zugelassen!!
TOP: Ö 4.9
Gremium: Regionalausschuss Barmbek-Uhlenhorst-Hohenfelde-Dulsberg Beschlussart: ungeändert beschlossen
Datum: Mo, 21.09.2020 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 18:02 - 19:50 Anlass: Sitzung
Raum: Großer Sitzungssaal
Ort: Robert - Koch - Straße 17, 20249 Hamburg
21-1499 Umbenennung des Emily-Ruete-Platzes
Gemeinsamer Antrag von GRÜNE- und SPD-Fraktion
   
 
Status:öffentlichDrucksache-Art:gemeinsamer Antrag
  Aktenzeichen:123.70-34
Federführend:Interner Service   
 
Protokoll
Beschluss
Abstimmungsergebnis

Der Vorsitzende ruft den TOP gemeinsam mit TOP 4.9.1 auf.

 

Frau Dalhoff erinnert daran, dass in der letzten Wahlperiode beschlossen worden sei, den Platz zwischen Eilbekkanal und Leo-Leistikow-Allee nach Emily Ruete zu benennen. Emily Ruete sei als Prinzessin auf Sansibar geboren worden. Sie habe Mitte des 19. Jahrhunderts einen Kaufmann geheiratet und sei mit ihm nach Hamburg gezogen. Die Geschichtswerkstatt Barmbek sei beauftragt worden, auf einem Schild am Platz ihren Lebensweg darzustellen. Vor einigen Wochen habe ein Mitglied des Arbeitskreises Hamburg Postkolonial auf die rassistischen Äerungen Emily Ruetes in ihren Memoiren aufmerksam gemacht. Die Mitarbeiter der Geschichtswerkstatt bestätigten dies.

Emily Ruete habe geschrieben, dass nicht die Sklavenhaltung, sondern der Sklavenhandel das Problem sei. Sie bezeichnete die versklavten Menschen als arbeitsscheu und meinte, diese sollten unter Aufsicht gestellt werden.

Als ein Platz nach ihr benannt worden sei, sei nicht genug über Emily Ruete bekannt gewesen. Der Platz müsse nun jedoch anders benannt werden. Es sei zu begrüßen, wenn die Geschichtswerkstatt diesen Teil der Lebensgeschichte Emily Ruetes in einer eigenen Publikation darstelle. Kürzlich habe das Hamburg Journal über sie berichtet, wobei die kritische Auseinandersetzung mit ihrer Einstellung zur Sklavenhaltung gefehlt habe.

2020 sei es keine Option, einen Platz nach Emily Ruete zu benennen. Dies widerspreche der Haltung zu Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit, der sich die Fraktionen verpflichtet fühlten.

Der formale Weg der Umbenennung müsse eingehalten werden, gleichwohl werde der Bezirksamtsleiter im Petitum aufgefordert, die Schilder so schnell wie möglich zu entfernen.

 

Herr Jessenhrt aus, es wäre sinnvoll gewesen, wenn die Informationen auf denen der Antrag von GRÜNE- und SPD-Fraktion beruhe, allen Fraktionen zugegangen wären. Er habe selbst recherchiert und sei verwundert über das Vorgehen. Die problematischen Passagen seien schon vorher zugänglich gewesen, z.B. in mehreren kommentierten Neuauflagen. Auch in der Sekundärliteratur sei Emily Ruete eingeordnet worden. Daher sei es unverständlich, dass Emily Ruetes Haltung erst nun deutlich geworden sei.

Die heutigen europäischen ethischen Werte würden an die damalige Zeit angelegt. Das Besondere an dem Werk von Emily Ruete sei, dass es sich um eine authentische nichteuropäische Quelle handle, die die Geschichte Ostafrikas kommentiere. Diese werde ansonsten meist aus der kolonialen Sichtweise beschrieben. Umgekehrt sei auch die wilhelminische Gesellschaft aus einer nichteuropäischen Sichtweise heraus kommentiert worden.

Die problematischen Stellen seien auch bereits bekannt, beispielsweise in den Kommentaren. 2009 habe es eine Ausstellung im Rathaus zu Emily Ruete gegeben, die von einer Künstlerin mit einer Intervention zu diesem Thema begleitet worden sei. Bereits in der letzten Wahlperiode wäre eine Auseinandersetzung mit Emily Ruete möglich gewesen.

Bei dem angesprochenen Beitrag im Hamburg Journal seien die problematischen Passagen durchaus betrachtet worden. Diese müssten jedoch im Zusammenhang betrachtet werden. Allein auf Grund einer aus dem Zusammenhang gerissenen Liste von Zitaten zu entscheiden, sei falsch. Eine tiefergehende Betrachtung sei notwendig, beispielsweise gebe es einen Herrn, der an einem Buch über Emily Ruete arbeite - dieser könne in den Ausschuss eingeladen werden.

Der Zusammenhang, in dem die Zitate stünden, müsse auch betrachtet werden. Es werde das scheinheilige Verhalten der Europäer zur damaligen Zeit angeprangert. Diese hätten die Sklaverei vor Ort angeprangert, aber auch selbst Sklaven gehalten und diese teilweise deutlich schlechter behandelt als die Einheimischen. Außerdem sei das imperiale Verhalten der Engländer kritisiert worden.

Diese Themen seien aktuell und würden von einer authentischen Quelle betrachtet. Dieser interessanten Person solle durch eine tiefergehende Befassung gerecht werden. Daher werde die Vertagung der Anträge vorgeschlagen.

 

Herr Baumann bestätigt, dass man Personen im Kontext ihrer Zeit betrachten müsse. Die vorliegenden Äerungen seien jedoch eindeutig. Dem Antrag von GRÜNEN und SPD zur Umbenennung des Platzes werde zugestimmt. Ein Gutachten sei nicht notwendig. Am 25.02.2019 sei das Thema bereits diskutiert worden und die CDU-Fraktion habe sich kritisch geäert.

Er schlage vor, einen konkreten Zeitpunkt vorzugeben, bis zu dem die Beschilderung zu entfernen sei.

 

Herr Wendt erinnert daran, dass der Vorschlag zur Benennung des Platzes von einem Bürger gekommen sei. Er habe damals selbst zu Emily Ruete recherchiert. Auch das Staatsarchiv habe die Benennung geprüft, dennoch seien die problematischen Äerungen offenbar nicht aufgefallen.

 

Frau Dalhoff stellt klar, dass aus der Person Emily Ruetes viel gelernt werden könne. Jedoch gehe es mit dem vorliegenden Antrag darum, keinen Platz nach ihr zu benennen. Dies sei eine Frage der Haltung.

Die Geschichtswerkstatt plane die Aufarbeitung mittels einer Publikation. Sie weist darauf hin, dass die CDU-Fraktion die ursprüngliche Benennung aus einem anderen Grund abgelehnt habe.

 

Der Vorsitzende erinnert daran, dass es einen Änderungsvorschlag gegeben habe. Es sei vorgeschlagen worden, ein konkretes Datum aufzunehmen, bis zu dem die Beschilderung entfernt werden solle.

 

Herr Baumann schlägt den 31.10.2020 vor.

 

Frau Meyer zu Natrup macht deutlich, dass eine Priorisierung angebracht sei. Ein konkretes Datum sei wegen der Verwaltungsabläufe jedoch nicht sinnvoll. Sie schlägt die Aufnahme der Priorisierung in das Petitum vor.

 

Herr Camp weist darauf hin, dass im Petitum die Entfernung der Beschilderung „sobald wie möglich“ gefordert werde. Er sei zuversichtlich, dass dies auch schnellstmöglich erfolgen werde.

 

Herr Baumann erklärt, der Änderungsantrag werde zurückgezogen. Er schgt für die Neubenennung vor, dass keine Benennung nach einer Person erfolgen solle.

 

Der Vorsitzende weist darauf hin, dass dies eine andere Thematik sei.

 

Protokollnotiz: Die Straßenschilder sind durch das Bezirksamt am 23.09.2020 entfernt worden.


 


Abstimmungsergebnis Vertagungsantrag:

Mehrheitlich abgelehnt

 

r-Stimmen

: DIE LINKE, FDP

Gegenstimmen

: GRÜNE, SPD, CDU

Stimmenthaltungen

:

 

 

 

Abstimmungsergebnis:

Mehrheitlich beschlossen

 

r-Stimmen

: GRÜNE, SPD, CDU, DIE LINKE

Gegenstimmen

: FDP

Stimmenthaltungen

: