Bezirksversammlung Hamburg-Nord

Auszug - Die Alsterdorfer Straße zwischen den Kreuzungen Carl-Cohn-Straße und Hindenburgstraße im Jahre 2025 - Vorschläge, Wünsche, Perspektiven für Gewerbe und Einzelhandel  

 
 
Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Arbeit
TOP: Ö 3
Gremium: Ausschuss für Wirtschaft und Arbeit Beschlussart: (offen)
Datum: Mi, 18.04.2018 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 18:00 - 19:46 Anlass: Sitzung
Raum: toneworx GmbH
Ort: Alsterdorfer Straße 255 b, 22297 Hamburg
 
Protokoll

Ein Bürger verweist auf die gestrige Veranstaltung zum Thema "Wohnungsbau in Alsterdorf", in der davon die Rede gewesen sei, dass der Einzelhandel von dem Neubau von 900 Wohneinheiten in Groß Borstel profitieren werde. In Alsterdorf selbst werde jedoch kein Wohnraum entstehen, insofern stelle sich die Frage, wie dem Einzelhandel hier vor Ort geholfen werden könne.

 

Der Vorsitzende erklärt, dass ein reines Gewerbegebiet an der Alsterdorfer Straße politisch so gewollt sei. In der heutigen Sitzung solle es darum gehen, wie das vorhandene Gebiet gestärkt werden könnte und nicht um eine Umwandlung in ein Mischgebiet. Solche Fragen würden ohnehin dem zuständigen Stadtentwicklungsausschuss obliegen.

 

Herr Redlich ergänzt, dass vorhandener Wohnraum in dem Gebiet auch zukünftig nicht verdrängt werden solle, sondern vielmehr um den Erhalt der Struktur zwischen Wohnen und Gewerbe nachgedacht werden sollte.

 

Ein weiterer Bürger meint, es ginge keinesfalls darum, das Gewerbe zu vertreiben.

 

Herr Hinckeldeyn bestätigt, dass im Stadtentwicklungsausschuss ein positives Meinungsbild r eine Beibehaltung der gewerblichen Ausweisung des Plangebietes erkennbar geworden sei.

 

Herr Wendt sagt, beim Rundgang sei der Wunsch geäert worden, mehr Gastronomie in der Alsterdorfer Straße anzusiedeln.

 

Eine Bürgerin meint, die Gastronomie hätte es in Alsterdorf ziemlich schwer.

 

Herr Debuschte das Thema ganzheitlicher und konzeptioneller angehen. Die vorherrschende Frage sei, mit welchen Mitteln in diesem Gebiet Erfolg erzielt werden könne. Er nennt einige Schlagworte:

- Charme und Authenzität -> Ladenzeilen, Sortiment, ergänzende Angebote, Gastronomie?

- Partnerschaften

- Sauberkeit

- Barrierefreiheit

- Verkehrsberuhigung, Fuß- und Radwegekonzept

- Bepflanzung und Beleuchtung

- öffentlicher Auftritt, Stadtteilmarketing

 

Auf Nachfrage eines Bürgers erklärt Herr Kegat, dass die Gehwegsituation bereits im Regionalausschuss debattiert und mittels eines entsprechenden Antrages aufgegriffen worden sei. Zuständig für die Vergabe der Mittel für die Instandsetzungsmaßnahmen der bezirklichen Straßen sei in einem späteren Schritt der Verkehrsausschuss bzw. die Bezirksversammlung. Erst dann würde sich zeigen, welche Priorität die Alsterdorfer Straße einnehme und wann die Gehwegsituation bereinigt werden könnte. Bei drastischen Schäden oder Stolperfallen könnten sich die Bürger an die Verwaltung wenden, um solche Stellen sofort ausbessern zu lassen.

 

Ein Bürger erklärt, er vermisse im öffentlichen Raum beispielsweise einen Fahrradladen, Restaurants oder einen Bio-Laden sowie einladendere Fensterfronten.

 

Herr Busold meint, am Ende des Tages entscheide immer der Markt, also Angebot und Nachfrage.

 

Ein Vertreter der Handwerkskammer erklärt, dass die Standortgebundenheit der Gewerbetreibenden doch sehr hoch sei, d.h. das Gewerbe an eine Betriebsstätte gebunden sei. In Hamburg-Nord stünden Gewerbeflächen nur sehr eingeschränkt zur Verfügung.

 

Herr Lindenberg gibt zu bedenken, dass die Hinterhofbetriebe aus einem historischen Kontext entstanden seien und wirft die Frage auf, inwiefern dieses System als schützenswert und zukunftsfähig bezeichnet werden könne. Mittels Anreize müssten neue Investoren gewonnen werden, beispielsweise über ein neues Planrecht. Er hege das Gefühl, dass das Problem andernfalls in 10 Jahren das gleiche wie heute sein werde.

 

Auf Nachfrage eines Bürgers zu den Schaufensterfronten antwortet Herr Hinckeldeyn, dass allein der Vermieter entscheiden könne, welcher gewerblich nutzende Mieter das Erdgeschoss beziehe. Die Verwaltung könne keinen Einfluss nehmen. Die Nachbarschaft würde vermutlich über einen größeren Einfluss verfügen, zum Beispiel über die Interessengemeinschaft.

 

Frau Leven (Projektleitung Q8) fragt, wessen Aufgabe es sein könnte, gestalterisch tätig zu werden, um die Ladenzeilen aufzuwerten. Alsterdorf zeichne sich durch viele Hinterhöfe aus, die ein großes Potenzial besäßen und deren Eigenheit geschärft werden müsste.

 

Herr Hinckeldeyn sagt dazu, dass die Verwaltung keine Handhabe besäße, um Eigentümer und Nachbarn an einen Tisch zu bringen. Ein Stadtteilentwicklungsprojekt wie Q8 der Evang. Stiftung Alsterdorf sei das Mittel der Wahl, um die Attraktivität des Stadtteils zu erhöhen. Dies müsse aber aus privater Hand angestoßen werden, die Verwaltung könne dabei lediglich Hilfestellung leisten.

 

Frau Möller erhofft sich von der heutigen Sitzung Anregungen für das weitere Handeln des Wirtschaftsausschusses. Das Gewerbe würde dringend benötigt, gerade für die Nahversorgung und die Einsparung von Verkehrswegen.

 

Herr Wendt regt an, mit der sich gründenden Interessengemeinschaft in Kontakt zu bleiben.

 

Eine Bürgerin fragt, wie die Politik und die Verwaltung konkret vorgehen wollen.

 

Herr Hinckeldeyn sagt, hier würde die Interessengemeinschaft helfen, um einen gemeinsamen „Wissenspool“ und Ideenkatalog aufzubauen. Gespräche mit den Grundeignern an der Alsterdorfer Straße müssten die Mieter bzw. die Nachbarschaft selbst führen. Die Stadt könne nicht initiativ tig werden und nehme aber gern eine beratende und informierende Position ein.

 

Ein Bürger wirft die Frage auf, ob ein Business Improvement District (BID) eine Option wäre.

 

Ein Vertreter der Handelskammer antwortet dazu, dass bei einem BID die Grundeigner selbst tätig werden müssten, da sich dahinter die Investition von Privatleuten in den öffentlichen Raum verberge. Eine Grundvoraussetzung wäre eine bereits funktionierende Werbe- und Interessengemeinschaft. Zu den Hinterhöfen führt er aus, dass diese verdichtet werden könnten, aber dafür Anreize von Nöten wären, wie Investitions- und Planungssicherheit. Zu den geäerten Wünschen einiger Bürger hinsichtlich der Ansiedlung von mehr Gastronomie und der Aufwertung des Straßenbildes sagt er, dass versucht werden müsse, die Beteiligten an einen Tisch zu bekommen, um gemeinsam zu überlegen, wie in Flächen investiert werden könnte, um die Attraktivität und Aufenthaltsqualität zu steigern.

 

Ein Bürger stellt die Frage an die Verwaltung, ob bei Neubauvorhaben im Rahmen der plankonformen Baugenehmigung Einfluss auf eine bestimmte Nutzung genommen werden könnte.

 

Herr Hinckeldeyn verneint diese Frage. Einem Eigentümer dürfe nicht vorgeschrieben werden, an wen er seine Gewerbeflächen vermieten solle, insoweit dieser rechtskonform nutzen wolle.

 

Frau Klode ergänzt, dass das Planrecht ausschlaggebend sei. Sofern es sich um eine gewerbliche Ausweisung handele, habe der Antragsteller zunächst immer einen Genehmigungsanspruch. Über die Nutzung entscheide jedoch nicht das Bezirksamt, sondern der Vermieter.

 

Auf Nachfrage einer Bürgerin zu möglichen Anreizen antwortet Frau Klode, dass die Bauprüfung nicht über finanzielle Mittel verfüge. Der Auftrag laute, zu prüfen, ob das beantragte Vorhaben mit dem geltenden Gesetz konform sei. Die Verwaltung könne auch hier nur Hilfestellung leisten und ggf. an weitere Einrichtungen, Kammern oder Interessengemeinschaften verweisen.

 

Ein Bürgerchte wissen, ob zusätzliche Wünsche quasi im Tausch gegen ein verwaltungsseitiges Entgegenkommen bei der Ermessensausübung der Verwaltung in die Baugenehmigung aufgenommen werden dürften.

 

Herr Hinckeldeyn sagt, dies sei nicht zulässig. Zu den BIDs ergänzt er, dass hierfür ein genauer Straßenzug bzw. ein genaues Gebiet festgelegt werden müsse. Aktuell gebe es 11 BIDs in Hamburg.

 

Herr Debus weist darauf hin, dass der BID keine neue Erfindung sei und ähnliche Konzepte auch schon in den Vereinigten Staaten existieren würden. Durch finanzielle Anreize könnte mehr erreicht werden.

 

Herr Hinckeldeyn erwidert, dass die Handelskammer und die Bezirksämter bemüht seien und mit Rat und Tat zur Seite stünden, nicht aber die Initiative der örtlichen Immobilieneigner ersetzen oder vorweg nehmen könnten.

 

Auf die Nachfrage eines Bürgers zu der Anzahl der Handwerkbetriebe auf der Etagenebene antwortet der Vertreter der Handwerkskammer, dass es schwierig sei, einen Handwerksbetrieb, der schon jahrelang ebenerdig ansässig sei, davon zu überzeugen, seinen Standort zu verändern. Die jüngere Generation stünde dem aufgeschlossener gegenüber und könne sich eher vorstellen, sich in oberen Etagen anzusiedeln. Aufgrund schwindender Gewerbeflächen wäre es nötig, sich mit anderen Konzepten und Formaten zu befassen.

Die Handwerkskammer berate bei Gewerberaum- und Standortsuche. Bei bekanntem Leerstand könne die Kammer daher vermitteln, sofern der Grundeigner bereit sei, etwas Neues zu entwickeln.

 

Frau Klode verweist auf die Veranstaltungsreihe „Wirtschaft vor Ort“, bei denen der Ausschuss schon jetzt mit den Kammern kooperiere und direkt vor Ort in den Quartieren Veranstaltungen, mit Unterstützung der BV, für Gewerbetreibende organisiere.

 

Ein Bürger erfragt, welche Art von Gewerbe sich jetzt in den oberen Geschossen der Alsterdorfer Straße angesiedelt hätte. Für das Zusammenspiel und Gewerbe und Wohnen sei das urbane Gebiet eingeführt worden. Entlang der Alsterdorfer Straße gebe es sehr viele Bestandswohnungen und es sei nicht davon auszugehen, dass die Grundeigner darauf verzichten wollen.

 

Herr Hinckeldeyn erklärt, dass das Planrecht Handwerk und Kleingewerbe ausweise, insofern gebe es eine Reihe von Gewerbe, das sich auch über dem produzierenden Gewerbe ab dem 2. OG ansiedeln könne, z.B. Dienstleistungsbetriebe.

 

Frau Möller weist auf die nächste Veranstaltungsreihe am 16.05. in der Krausestraße hin. Denkbar wäre eine nächste Veranstaltung in Alsterdorf für die dortigen Gewerbetreibenden.

 

Herr Hinckeldeyn bittet, die Verantwortlichen des Stadtteilfestes Alsterdorf 2018 um weitere Ausführungen.

 

Die anwesenden Organisatorenhren aus, dass das Fest am 08. und 09.09. auf dem REWE-Parkplatz stattfinden werde. Eine Bühne solle von Schülerbands bespielt werden. Zugleich seien der Aufbau einer Hüpfburg für Kinder, ein Flohmarkt und weitere Aktivitäten geplant, wie beispielsweise eine Tombola. Ein Förderantrag auf Mittel aus dem Quartiersfonds über 4 000 € sei bereits bewilligt worden.

 

Der Vorsitzende dankt den Beteiligten für die Teilnahme und die Diskussion.