Bezirksversammlung Hamburg-Nord

Auszug - Nahversorgungskonzept für den Bezirk Hamburg-Nord hier: Vorstellung des Gutachtens  

 
 
Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses
TOP: Ö 3.3
Gremium: Stadtentwicklungsausschuss Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Do, 02.11.2017 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 18:00 - 20:37 Anlass: Sitzung
Raum: Großer Sitzungssaal
Ort: Robert - Koch - Straße 17, 20249 Hamburg
20-4925 Nahversorgungskonzept für den Bezirk Hamburg-Nord
hier: Vorstellung des Gutachtens
   
 
Status:öffentlichDrucksache-Art:Mitteilungsvorlage Bezirksamt
  Aktenzeichen:600.04-06
Federführend:Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung   
 
Protokoll
Abstimmungsergebnis

Herr Ellrott (GMA) stellt sich kurz dem Ausschuss vor und erklärt einleitend, dass am heutigen Abend eine Entwurfsfassung des Anfang 2016 gestarteten Gutachtens präsentiert werden solle. In einer Erhebungsphase von Februar bis August seien alle Ladenlokale, Gastronomiebetriebe und Dienstleistungsunternehmen befragt und die Daten aufbereitet worden. Mittels der Erstellung rechtssicherer Nahversorgungskonzepte solle eine Steuerung der raumverträglichen Einzelhandelsentwicklung für alle Bezirke auf der Grundlage eines gesamtstädtischen Leitfadens erfolgen. Bislang lägen nur für die Bezirke Bergedorf, Eimsbüttel und Harburg entsprechende Konzepte vor. Für die Entwicklung eines gesamtstädtischen Leitfadens sei von Anfang an eine Kommunikationsstruktur zwischen den Bezirken, den zuständigen Fachbehörden und weiteren Akteuren vereinbart worden. Der Anspruch an so ein Konzept sei eine parzellengenaue Abgrenzung.

 

Herr Komossa (GMA)hrt mit der Präsentation fort. Im Bezirk Hamburg-Nord seien 1679 Betriebe mit insgesamt fast 300 000 m² Verkaufsfläche erhoben worden. Mittels einer Gegenüberstellung des Umsatzes der Betriebe und der Kaufkraft lasse sich ein Zentralitätswert errechnen, der hier bei 103 % liege. Die Ausstattung des Bezirkes mit Nahversorgung sei für eine Großstadt angemessen und liege im Hamburger Durchschnitt. Er zeigt im Folgenden mehrere Karten des Bezirkes mit den Lagen der nahversorgungsrelevanten Anbieter zuzüglich deren Versorgungsradien und der Einwohnerdichte. Räumliche Versorgungslücken gebe es in Langenhorn, in Groß Borstel in der Nähe des Flughafens und in der City Nord. Er erläutert die Begrifflichkeiten "zentrale Versorgungsbereiche" (übergeordnete Zentren und Nahversorgungszentren) und "integrierte Standorte" (Nahversorgungslagen und sonstige Lagen) sowie "sonstige Standorte", die städtebaulich nicht integriert seien. Er zeigt anhand von Kartenmaterial die zentralen Versorgungsbereiche des Bezirkes, wie beispielsweise das NVZ Ochsenzoll, Langenhorn-Mitte, Winterhude oder die Fuhlsbüttler Straße. Im direkten Vergleich zu den Hamburger Leitlinien für den Einzelhandel hätten einige zentrale Nahversorgungsbereiche bestätigt werden können (u.a. Fuhlsbüttler Straße, Hamburger Straße, Eppendorf), andere wiederum seien erstmals als zentrale Nahversorgungsbereiche eingestuft worden (u.a. Alsterdorfer Markt, Mühlenkamp, Straßburger Straße) und einige seien aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr als solche eingestuft worden (u.a. Alsterdorfer Straße, Alsterkrugchaussee, Langenhorn Nord).

 

Herr Ellrott sagt, er könne es nachvollziehen, falls die Abstufung der genannten Gebiete bedauert würde, da viel Zeit und Geld in einzelne Standorte investiert worden sei, um sie als zentrale Nahversorgungsbereiche zu stärken. Er empfiehlt, die Bemühungen aufgrund dieser Einordnung nicht einzustellen. Die Einstufung könnte sich in ein paar Jahren, womöglich im Rahmen einer Fortschreibung, wieder ändern, sofern der Standort dann wieder den Anforderungen entspricht.

 

Herr Komossa zeigt beispielhaft den zentralen Versorgungsbereich Eppendorf mit seiner parzellengenauen Abgrenzung und der genauen Aufschlüsselung einzelner Nutzungen.

 

Auf die Nachfrage von Herrn Domres zum Isemarkt antwortet Herr Komossa, dass ein Straßenzug, auf dem sich ansonsten keinerlei Geschäfte befänden, nicht als Nahversorgungsbereich gekennzeichnet werden könne. In dem Gutachten würde aber darauf hingewiesen, dass der Markt existiere. Auf dem Kartenmaterial Eimsbüttels sei der Markt mittels eines Symbols dargestellt. Er sagt zu, das Symbol im Kartenmaterial des Bezirkes Hamburg-Nord nachzupflegen.

Ergänzend seien auf Wunsch die Postdienstleistungen und Geldautomaten erhoben worden. Der Trend neige zu vermehrten SB-Terminals und Postdienstleistungen im Einzelhandel, da immer mehr Banken und Postfilialen schließen würden. In den zentralen Versorgungsbereichen würden sich Bank- und Postdienstleistungen wiederfinden.

In einem nächsten Schritt solle die Entwurfsfassung des Berichtes an die Ausschussmitglieder verteilt und daraus resultierende Änderungswünsche und Ergänzungen eingearbeitet werden.

 

Auf Nachfragen von Herrn Hemesath und Frau Ernsing zu den Absteigern antwortet Herr Ellrott, dass jene Standorte r Betriebe durch entsprechende Ansiedlungs- und Erweiterungsoptionen interessanter werden könnten. Er empfiehlt, für diese Standorte zu kämpfen und sie nicht aufzugeben.

 

Herr Boltres sagt, aus dem Gutachten müsse eine deutliche Handlungsempfehlung für den Bezirk hervorgehen, welche im Vortrag nicht deutlich genug geworden sei. Für manche Bereiche, die zu den Absteigern gehören, würde es sich nicht lohnen zu kämpfen, da es an Anwohnern, Flächen oder schlichtweg an einem Sinn für eine Nahversorgung fehle. Für die Endfassung des Berichtes wäre eine Handlungsempfehlung unerlässlich. Der derzeitige Bericht befinde sich in der redaktionellen Überarbeitung, sodass eine Verteilung an den Ausschuss noch im November realistisch erscheine.

 

Herr Dr. Bigdon bittet die Referenten um einige ergänzende Ausführungen zur Situation in der City Nord.

 

Herr Komossa antwortet, dass eine neue Nahversorgung im Bereich des Pergolenviertels entstehen werde, sodass eine Ansiedlung von Nahversorgung in der zentralen Zone der City Nord eher kontraproduktiv scheine. Die Empfehlung laute daher, zunächst die Nahversorgung im Pergolenviertel auszubauen. Er stellt die Frage in den Raum, auf was sich die City Nord konzentrieren wolle. Wenn der Fokus eher bei größeren Möbelgeschäften, wie beispielsweise der scherei und dem belhaus Greve liegen solle, sollte darüber nachgedacht werden, den Standort für nicht zentrenrelevanten großflächigen Einzelhandel zu öffnen.

 

Herr Boltres sagt, die Verwaltung vertrete hier eine etwas abweichende Meinung. Die Wohnfunktion in der City Nord solle perspektivisch gestärkt werden und daher müsste dieser Ansatz, keine Nahversorgung in der zentralen Zone der City Nord vorzusehen, überdacht werden.

 

Auf die Frage von Herrn Fischer, wer das Konzept fortschreibe und welche Bedeutung das Gutachten für die zukünftige Stadtentwicklung habe, antwortet Herr Boltres, dass er die Frage zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht beantworten könne. Die Zuständigkeit im Falle einer Fortschreibung sei nicht geklärt. Die Verwaltung allein sei nicht in der Lage alle paar Jahre über 1 500 Betriebe zu erheben. Durch das Gutachten wisse die Verwaltung zumindest, dass bei neuen Vorhaben ein stärkerer Fokus auf die Nahversorgung gelegt werden müsse, wie beispielsweise bei den räumlichen Versorgungslücken in Langenhorn.

 

Herr Dr. Schott nimmt Bezug auf den Stadtteil Groß Borstel und fragt, ob es dafür konkretere Handlungsempfehlungen gebe und welche generellen Beobachtungen bei der Betrachtung des Einzelhandels in Bezug auf die Digitalisierung und den Online-Handel gemacht worden seien.

 

Herr Ellrott und Herr Komossa antworten, der im Bereich der Lebensmittel nur 0,5 % des Umsatzes über den Online-Handel erzielt werden. Im Vergleich dazu liege der Anteil am Umsatz im Mode/Bekleidungs-Bereich bei etwa 20 %. Ein so hoher Wert lasse sich mit Lebensmitteln aufgrund von u.a. der Liefersicherheit, Kühlkette, nie erreichen. Die Nahversorgung bleibe in Deutschland weiterhin eine Aufgabe des stationären Handels.

Der Stadtteil Groß Borstel sei näher betrachtet worden, auch vor dem Hintergrund der Vielzahl neuer Wohnungen, die am alten Güterbahnhof entstehen werden. Im Stadtteil seien ein EDEKA, ein ALDI und ein REWE vorhanden. Die GMA könne für den Ortskern nur Empfehlungen aussprechen und Handlungsstrategien entwickeln. So gebe es gegenüber des ALDI-Marktes eine Freifläche, die genutzt werden könnte, um den Bereich im Sinne der Nahversorgung zu stärken.

 

Herr Dr. Bigdon ergänzt, dass der ALDI-Markt ursprünglich schließen wollte, aber von diesem Schritt letztlich abgesehen hätte, auch weil sich der Bezirksamtsleiter sehr für einen Erhalt eingesetzt habe.

 

Herr Homann (Seniorenbeirat) sagt, der Seniorenbeirat möchte das Thema Nahversorgung gerne weiterverfolgen. Die räumlich aufgezeigten Versorgungslücken in Langenhorn und Fuhlsbüttel seien insbesondere für die weniger mobilen Senioren bedenklich.

 

Herr Domres teilt die Einschätzung zum Pergolenviertel und der dortigen Nahversorgung nicht. Die zukünftigen Bewohner in der City Nord werden sich hinsichtlich der Nahversorgung nicht in Richtung des Pergolenviertels orientieren. Die zentrale Zone sollte hierfür her betrachtet werden.

 

Herr Kegat fragt, ob das Gutachten die Situation über die Landes- und Bezirksgrenze hinaus beleuchten würde.

 

Herr Ellrott antwortet, dass die Betrachtung über die Grenze hinaus erfolgt sei, jedoch ohne die Daten zu erheben, da der Untersuchungsauftrag sich nur auf die Stadt Hamburg selbst bezogen hätte.

 

Herr Dickow nimmt aus dem Vortrag mit, dass die Problemfelder im Westen Langenhorns und in Groß Borstel liegen würden. Ein kompletter Verzicht auf eine Nahversorgung in der City Nord wäre aus seiner Sicht ein Fehler, nicht nur wegen der zukünftigen Bewohner, sondern auch wegen der Vielzahl der Beschäftigten.

 

Herr Müller bittet um Bereitstellung der Präsentation und fragt, ob für die Vorstellung des Zentrenkonzeptes ein Referent zur Sitzung eingeladen werde und ob die verkehrliche Anbindung der Nahversorgungsbereiche mit berücksichtigt worden sei.

 

Herr Boltres bejaht die Fragen zur Präsentation und zum Referenten für das Zentrenkonzept.

 

Herr Komossa und Herr Ellrott erklären, dass der Verkehr alleine schon deshalb Berücksichtigung finden müsse, weil die Händler mittels LKW beliefert würden und die Verbraucher in der Lage sein müssen, ihren Zielort mit dem PKW zu erreichen. Die verkehrliche Erreichbarkeit stelle immer ein erfolgsentscheidendes Kriterium des Handels dar. Von zentraler Bedeutung für Hamburg wäre zugleich der ÖPNV, ebenso wie Stadtrad-Stationen. Der Fokus der Nahversorgung liege bei der Wohnbevölkerung und nicht bei Pendlern, die auf dem Heimweg womöglich noch etwas einkaufen möchten.

 

Auf weitere Nachfragen von Herrn Müller, u.a. zum Flughafen und der Bedeutung des Gutachtens für Politik und Verwaltung, antwortet Herr Ellrott, dass eine Grundvoraussetzung für die Einstufung zu einem Nahversorgungszentrum eine städtebaulich integrierte Lage (z.B. Wohnbezug zu mindestens zwei Seiten) sei. Diese Voraussetzung würde der Flughafen, trotz eines gut laufenden Edeka-Marktes, nicht erfüllen. Er sagt, zu den weiteren Fragen seien die Antworten schon erteilt worden.

 

Herr Krollchte wissen, inwiefern Leerstände bewertet worden seien und was passieren würde, wenn der Online-Handel mit Lebensmitteln doch einmal zunehmen sollte.

 

Herr Ellrott antwortet, dass die Leerstände, sofern vorhanden, in das Gutachten eingeflossen seien. Er könnte sich vorstellen, dass die Lieferdienste und der Online-Handel in einer Großstadt wie Hamburg zunehmen werden. Mit ihren Online-Auftritten würden viele Supermärkte kein Geld verdienen.

 

Die Nachfrage von Frau Wilckens, ob bei der Kaufkraftberechnung die Anzahl der bestehenden und zukünftigen Wohneinheiten beachtet worden seien, bejaht Herr Komossa. Als Grundlage hätten die Einwohnerentwicklung seit 2008 und die Wohnungsbauprogramme der Bezirke gedient. Da die jetzt durchgeführte Erhebung zudem die Datenbasis für das Zentrenkonzept bilde, lägen nicht nur Daten für die nahversorgungsrelevanten Bereiche vor, sondern auch Daten für die mittel- und langfristigen Bedarf -wie Bekleidung und Elektronik.

 

Herr Baumann denkt, dass der Online-Handel auch im Lebensmittel-Bereich zunehmen werde. Die Zentrale Zone, da schließe er sich den Meinungen anderer Ausschussmitglieder an, erfordere einer genaueren Betrachtung.

 

Der Vorsitzende bedankt sich bei den Referenten für die Ausführungen.


Abstimmungsergebnis:

Der Ausschuss nimmt Kenntnis.