Bezirksversammlung Hamburg-Nord

Auszug - Magistrale Mundsburger Damm - Bramfelder Straße hier: Zwischenbericht der Gutachter  

 
 
Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses
TOP: Ö 5.1
Gremium: Stadtentwicklungsausschuss Beschlussart: (offen)
Datum: Do, 07.09.2017 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 18:00 - 20:26 Anlass: Sitzung
Raum: Großer Sitzungssaal
Ort: Robert - Koch - Straße 17, 20249 Hamburg
 
Protokoll
Abstimmungsergebnis

Ein Vertreter von ppp architekten+stadtplaner erstattet dem Ausschuss anhand einer Präsentation einen Zwischenbericht über das Magistralengutachten. In der ersten Phase des Verfahrens sei ein umfassender Beteiligungsprozess gestartet: mit einer Infoveranstaltung, einer Online-Beteiligung und einem Expertenworkshop sowie weiteren Hintergrundgesprächen mit Institutionen und Organisationen. Die beiden größten Themenbereiche der Online-Beteiligung stellten „Städtebau und Stadtraum“ und „Mobilität und Verkehr“ dar. Etwa 75 % der Beteiligten hätten die Meinung vertreten, dass sich etwas ändern müsste.

 

Ein Vertreter von ARGUS geht anschließend auf die verkehrliche Ausgangslage ein. Das Verkehrsaufkommen selbst sei in den letzten Jahren weitestgehend konstant geblieben. Der Verkehr würde auf der Magistrale gut abgewickelt, bis auf die Verkehrsspitzen in den Morgen- und Abendstunden. Der Anteil der Radfahrer habe sich seit den 70er Jahren kontinuierlich erhöht. Bis Ende der 20er Jahre solle ein Anteil von 25 % erreicht werden. Als Vorbild für eine innovative Radverkehrsführung könnten die Städte Kopenhagen und Barcelona mit ihren geschützten Radfahrstreifen dienen. Er spricht noch kurz das autonome Fahren an, das in späterer Zukunft Kapazitätssteigerungen und aufgrund verringerter Fahrzeugabstände neue Flächenpotentiale für den Rad- und Fußverkehr ermöglichen sollte, aber eventuell auch gegenteilig zu einem erhöhtem Verkehrsaufkommen führen könnte.

 

Der Vertreter von ppp architekten+stadtplaner ergänzt den Vortrag um Ausführungen zum Entwicklungskonzept und dem Leitbild. Die Magistrale fungiere als Verkehrsraum mit wenig Komfort/Qualität für Radfahrer. Es gebe nur unzureichende Querungsmöglichkeiten für andere Verkehrsteilnehmer. Viele Flächen würden für Nebenfahrbahnen und Parkplätze beansprucht. Insgesamt falle die Lärm- und Schadstoffbelastung hoch aus. Im Hinblick auf die Freiräume sagt er, dass die verkehrsdominierten Bereiche nur wenig Aufenthaltsqualität besitzen, es wenig Grünflächen gebe und der Grad der Versiegelung sehr hoch sei. Die städtebaulichen Defizite spiegeln sich u.a. in den lückenhaften bzw. unterdimensionierten Raumkanten, den großflächigen eingeschossigen Nutzungen und in der heterogenen Bebauungsstruktur wider.r die weitere Planung sei die Magistrale in 6 Abschnitte eingeteilt worden. Er zeigt die einzelnen Abschnitte und stellt zwei mögliche Szenarien mit bestandsorientierten Maßnahmenvorschlägen und zukunftsweisenden Maßnahmenvorschlägen vor. Diese Vorschläge beinhalten u.a. Gebäudeaufstockungen, Bepflanzungen der Nebenflächen, Schrägparken statt Längsparken, Neusortierung von Randbereichen, Ausbilden von Raumkanten, ggf. Verlegung oder Reduzierung von Spuren, ndelung von Fahrbahnen und Schaffung neuer Querungsmöglichkeiten.

 

Herr Domres wendet zum 2. Abschnitt und einer möglichen Verlegung des Grünstreifens ein, dass sich darunter ein Siel befinden würde.

 

Der Referent von ppp architekten+stadtplaner antwortet, das Siel befinde sich gemäß der Leitungspläne nicht unter der Mittelinsel, sondern unter der Oberaltenallee.

 

Auf Nachfrage von Herrn Krumm erklärt Herr Dr. Bigdon, dass hamburgweit ein Programm namens „Erhaltungsmanagement Straße (EMS) existiere, das der LSBG als Federführer betreue. Darin seien bestimmte Maßnahmen für Straßen vorgesehen, u.a. auch für einen Teil der Magistrale. Die Verwaltung sei an die Verantwortlichen mit der Bitte herangetreten, erst das Gutachten abzuwarten und dann ein ganzheitliches Projekt zu starten. In der nächsten Lenkungsgruppensitzung Mitte/Ende September werde das Thema auf der Tagesordnung stehen.

 

Herr Boltres sagt, die Verwaltung sehe die Planungen des LSBG in Teilen kritisch. Sicherlich würden einige Straßenzustände ein kurzfristiges Eingreifen erfordern. Im Fall eines Umbaus sollte aber dringend erst das Gutachten abgewartet werden.

 

Herr Dr. Bigdongt an, dass das EMS-Projekt sehr transparent ablaufe und die Bezirksämter frühzeitig beteiligt würden.

 

Herr Werner-Boelz bittet um Übermittlung der Präsentation und erkundigt sich nach der Datengrundlage für die Zahlen zum Verkehrsaufkommen. Er möchte wissen, wie die BWVI zu solch einer gutachterlichen Untersuchung stehe.

 

Der Referent von ppp architekten+stadtplaner und Frau Ernsing antworten, dass die Zahlen von der BWVI erhoben werden. Es sei durchaus vorab bekannt gewesen, dass im Rahmen des EMS-Projektes der Straßenbelag erneuert werden sollte. Bei Untersuchungen sei aber herausgekommen, dass die Straße bis in die Tiefe hinein einer Sanierung bedürfe und damit eine größere Überarbeitung notwendig sei.

 

Herr Boltresgt hinzu, dass die Stadtplanung eigentlich nicht primär für eine innerstädtische Magistrale zuständig sei. Es wäre jedoch auch die Aufgabe der bezirklichen Stadtplanung, bekannte Missstände mit ihren Mitteln und Möglichkeiten anzugehen. Hier sei nicht die Verdichtung in den Vordergrund der Untersuchung gestellt worden, sondern der Stadtraum selbst.

 

Auf Nachfrage von Frau Voet van Vormizeele zum Umgang mit den Ergebnisse und dem weiteren Vorgehen antworten Herr Boltres und Frau Ernsing, dass die heutige Präsentation einen Zwischenstand wiedergebe. Bis Ende des Jahres solle das Gutachten abgeschlossen und öffentlich präsentiert werden. Die Verwaltung möchte auch die Bezirksversammlung am Ende über das Ergebnis in Kenntnis setzen, um zukünftig weitere Projekte an dieser Strategie auszurichten, z.B. neue Bauprojekte oder Bebauungspläne. Beim Funktionsplan für den Mesterkamp stelle sich beispielsweise aktuell die Frage, wie breit die Hamburger Straße ausfalle und was mit der Nebenfahrbahn geschehen werde.

 

Frau Ros fragt, ob die denkmalgeschützte Hamburger Meile mit ihren Zugangsbereichen schon näher betrachtet worden sei.

 

Herr Boltres erklärt, dass hierzu noch keine Gespräche stattgefunden hätten. Die Meile sei nicht denkmalgeschützt, sondern nur die Hochhäuser. Problematisch gestalte sich die Fassade, die dem Stadtraum quasi „den Rücken zuwende“. Irgendwann müsse auch dieses Thema angegangen werden.

 

Frau Voet van Vormizeele vermisst einige zahlenmäßige Angaben, z.B. die Anzahl der Parkplätze, woraufhin Herr Boltres erwidert, dass es dafür zu früh sei.

 

Herr Kroll fragt, wie die Planer auf eine 6-geschossige Bebauung entlang der Magistrale kämen und welches Bauvolumen dort erreicht werden solle.

 

Der Referent von ppp architekten+stadtplaner antwortet, dass die durchschnittliche Geschossigkeit in dem Bereich bei 6 Geschossen liege und dies gut vorstellbar sei. In einigen Kernbereichen würde diese Geschossigkeit überschritten. Bei Aufstockungen müsste ohnehin geschaut werden, ob die Statik des Gebäudes weitere Geschosse überhaupt zulasse.

 

Frau Wilckens verweist zu der Parkplatzfrage von Frau Voet van Vormizeele auf die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung, wonach die Bürger sich mehrheitlich für eine Förderung des Radverkehrs ausgesprochen hätten und nur ein kleiner Teil der Bürger den Wunsch nach mehr PKW-Stellplätzen hege. Sie möchte wissen, ob weitere EMS-Maßnahmen in dem Bereich vorgesehen werden und ob es in diesem Rahmen Bestrebungen gebe, den Bahnsteig Dehnhaide zu verlängern und einen Zugang zum Barmbeker Markt zu schaffen.

 

Herr Boltres antwortet, dass die Idee zur Verlängerung des Bahnsteiges und die Öffnung hin zum Barmbeker Markt aus dem LSBG stamme. Darüber sei aber bislang nicht weiter gesprochen worden, auch wenn die Maßnahme städtebaulich durchaus sinnvoll erscheine. Entlang der Magistrale wären weitere EMS-Maßnahmen geplant. In jenen Fällen rate die Verwaltung ebenfalls dazu, erst das Gutachten abzuwarten.

 

Herr Wersich denkt, die Magistrale biete ein enormes Potenzial. Man dürfe sich bei der Planung aber nicht nur auf den Rad- und Fußverkehr konzentrieren, sondern sse das Parkplatzproblem ebenso ernst nehmen.

 

Herr Krummlt eine Verlängerung des Bahnsteiges aufgrund der dafür notwendigen Bahnsteigkrümmung für utopisch.

 

Der Vorsitzende bedankt sich bei den Referenten für den Vortrag und das Beantworten der Fragen.