Bezirksversammlung Hamburg-Nord

Auszug - Bebauungsplan-Entwurf Alsterdorf 22/Winterhude 22 (Gleisdreieck) hier: Kenntnisnahme der öffentlichen Auslegung  

 
 
Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses
TOP: Ö 4.1
Gremium: Stadtentwicklungsausschuss Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Do, 24.09.2015 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 18:00 - 21:12 Anlass: Sitzung
Raum: Großer Sitzungssaal
Ort: Robert - Koch - Straße 17, 20249 Hamburg
20-1962 Bebauungsplan-Entwurf Alsterdorf 22/Winterhude 22 (Gleisdreieck)
hier: Kenntnisnahme der öffentlichen Auslegung
   
 
Status:öffentlichDrucksache-Art:Mitteilungsvorlage Bezirksamt
  Aktenzeichen:600.04-06
Federführend:Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung   
 
Wortprotokoll
Beschluss
Abstimmungsergebnis

Frau Schaffner (Büro ELBBERG) stellt die aktuelle Planung für den Betriebshof am Gleisdreieck anhand einer Präsentation vor. Die Erschließung des Betriebshofes erfolge aus südlicher Richtung über eine Brücke ausgehend vom bestehenden Tessenowweg, der zugleich verbreitert werden müsste. Die Brücke über die Bahnschienen sei u.a. notwendig, damit die Kleingärten weitestgehend erhalten werden können. Eine Notausfahrt werde im Norden nachgewiesen. Im südlichen Teilstück werden ein viergeschossiges Parkhaus mit 185 Stellplätzen und das Verwaltungsgebäude entstehen. Im östlichen Teil sollen die Busse untergestellt werden, während sich im westlichen Teil die Wartungs- und Reparaturhallen befinden. Rund um das Gelände solle ein Grünstreifen angelegt werden. Das Entwässerungskonzept gehe von einer vollständigen Versickerung des Oberflächenwassers auf dem Grundstück aus. Die Hochbahn möchte zukünftig noch mehr auf alternative Antriebsmöglichkeiten setzen, was die Lagerung von Wasserstoff erforderlich mache. Die gesamte Fläche des Planes belaufe sich auf 9,4 ha. Sie geht kurz auf die einzelnen Ausweisungen und Festsetzungen ein und erklärt, dass aus Lärmschutzgründenrmschutzwände rund um den Betriebshof und im Bereich der Brücke errichtet werden.

 

Herr Schaper (Landschaftsplaner) macht einige Angaben zum Zustand des Biotopes am Gleisdreieck. Im Umkreis von 5 km hätte man keine Ausgleichsfläche in dieser Größenordnung finden können, sondern erst weiter entfernt auf folgenden drei Flächen:

  1. Jugendparkweg: 1 ha
  2. Kirchwerder: 1,8 ha
  3. Tensfeld: 7 ha

 

Frau Schaffnergt hinzu, dass parallel zum Verfahren eine Flächennutzungsplan-Änderung von Nöten sei.

 

Herr Kroll stellt diverse Fragen zu den Themenkomplexen:rmschutzwand, Baumfällungen, technischer Umweltschutz, U-Bahn-Planung, Fassadenbegrünung, Größe der überbauten Fläche und zur Mengendifferenz Wald.

 

Die Referenten erklären, dass die Lärmschutzwand verschiedene Höhen aufweisen werde, von 10 m über 12 m beim Parkhaus bis hin von 7,5 m bis 6 m und weiter umlaufend auf 4 m. Die Lärmschutzwand vom Tessenowweg bis über die Brücke liege bei 1,2 m Höhe. Um das Wasserstofflager herum, gebe es einen Schutzradius von 90 m. Das Verwaltungsgebäude werde an der Fassade nicht begrünt, dafür aber die Lärmschutzwand und sämtliche Dächer.

Knapp 7 ha der Fläche am Gleisdreieckrden als Wald eingestuft.

 

Herr Heidrich (Hamburger Hochbahn AG) ergänzt, dass die U-Bahn-Planung der Planung rund um das Gleisdreieck hinterherhänge.

 

Herr Pöstingerlt den Eingriff der Rodung für enorm. Er fragt, ob geprüft worden sei, ob Werkstätten auf mehreren Ebenen angeordnet werden könnten, um Baumbestand zu erhalten und ob der Betriebshof auf mehrere Teilflächen aufgeteilt werden könnte.

 

Frau Wilckens stimmt zu, dass es ein großer Verlust sei, diesen Wald roden zu müssen. Andererseits sei schon immer eine andere Nutzung vorgesehen gewesen. Der Ausgleich werde leider sehr weit außerhalb geschaffen, aber immerhin würde für Begrünung auf dem Gelände gesorgt. Sie fragt, ob auch später für die Bäume der angedachten umlaufenden Grünfläche Aufwertungsmaßnahmen vorgesehen werden.

 

Herr Schaper antwortet, dass es bei so einer großflächigen Rodung immer wahrscheinlich sei, dass der verbleibende Gehölzbestand mit geschädigt werde. Da im Osten und Süden des Geländes die Bahnschienen an das Gelände grenzen, sei zuallererst die Verkehrssicherungspflicht zu betrachten und sicherzustellen, dass Bäume nicht in die Oberleitungen stürzen können. In der Begründung stünde, dass der Grünbestand auch in den kommenden Jahren beobachtet und ggf. aufgewertet werden müsse. Im Dreieck selbst stünden schätzungsweise 1700 Bäume, davon die meisten mit weniger als 25 cm Stammdurchmesser. Im Bereich der Rampe/Brücke hin zum Tessenowweg müssten 60 Bäume gefällt werden (5 Bäume mit einem Stammdurchmesser von 50-60 cm).

 

Herr Heidrich ergänzt, dass eine Mehrstöckigkeit durchaus in Betracht gezogen, aber dann wieder verworfen worden sei, da die Carports für die Busse ohnehin schon an die 6 m Höhe aufweisen müssten und eine Rampenanlage schwer realisierbar sei. Die Lärmausbreitung würde auch ganz anders ausfallen.

 

Herr Messaoudi ist über diese Antwort überrascht. Wenn zukünftig immer mehr Fahrzeuge mit Wasserstoff betrieben werden sollen, müssten die Lärmemissionen eigentlich abnehmen. Auf den oberen Etagen könnten ausschließlich Wasserstoff-Busse parken, um dem Schallschutz gerecht zu werden. Für die im Gebiet brütenden Vögel sei die Situation sehr ungünstig. Er fragt, ob dort anderweitig Abhilfe geschaffen werden könnte und warum das Gleisdreieck so isoliert betrachtet worden sei.

 

Herr Heidrich erklärt, die Politik strebe an, ab 2020 nur noch emissionsarme Antriebe einzusetzen. Die Industrie könne diesem Anspruch allerdings derzeit noch nicht nachkommen. Die Hochbahn beschaffe 60 bis 70 Busse pro Jahr. Der Betriebshof werde auf einen Anteil emissionsarmer Techniken von 20 % ausgelegt. Der Bebauungsplan könne nicht auf dieses „Wunschdenken“ der Politik ausgelegt werden.

 

Herr Schaper sagt, der gleiche Biologe, der bereits das Pergolenviertel kartiert habe, habe auch hier die Kartierung vorgenommen. Einige Tierarten, wie Mäuse oder Maulrfe, seien nicht feststellbar gewesen. Eine artenschutzrechtliche Relevanz bestünde nicht und somit sei ein Erhalt nicht zwingend erforderlich.

 

Herr Kroll sagt, gemäß der Begründung solle entlang der Lärmschutzwand alle 2 m eine Pflanze gesetzt werden. Er möchte wissen, in welcher Zeit dann mit einer vollständigen Begrünung der Lärmschutzwand gerechnet werden dürfte und warum die Zufahrt zum Betriebshof nicht über einen Tunnel möglich wäre und ob nicht alle Fahrstrecken der Busse auf dem Gelände überdacht und zugleich begrünt werden könnten.

 

Ein Bürger äert sich verwundert darüber, dass ein zu fällender Baum innerhalb Hamburgs scheinbar genauso wichtig erachtet werde, wie ein Baum, der 30 km von Hamburg entfernt neu gepflanzt werden solle. Dabei sei die Umweltbelastung in der Stadt doch viel größer. Er fragt, ob es nicht sinnvoll wäre, anstelle einer großen Fläche, viele kleine Ausgleichsflächen ausfindig zu machen und dort Bäume neu zu pflanzen.

 

Herr Torge (Hamburger Hochbahn AG) sagt, die Bepflanzung der Lärmschutzwand mit Efeu in jenem Abstand sei vollkommen ausreichend und sorge für eine sukzessive Begrünung. Der 10 m breite Grünstreifen hinter der Lärmschutzwand werde die Wand ohnehin nach einiger Zeit verdecken. Für den Bau eines Tunnels wäre durch die Rampenanlage noch mehr Fläche notwendig. Die Brücke komme auch dem Erhalt der Kleingärten zugute. Die Hochbahn halte an der eingeschossigen Bauweise fest, auch weil so der Betriebshof hinter der Lärmschutzwand und dem Grünstreifen verschwinde. Eine Überdachung der Fahrstrecken komme nicht in Betracht. Hierfür gebe es die Lärmschutzwand, um Emissionen so gering wie möglich zu halten.

 

Herr Schaper ergänzt, dass ein Tunnel mit viel mehr Aufwand verbunden wäre, z.B. im Hinblick auf die Abwasserentsorgung. Zur Frage des Bürgers führt er aus, dass die Aufteilung auf mehrere kleinere Flächen rechtlich nicht möglich wäre, da eine Waldfläche erst bei 0,5-0,6 ha beginne.

 

Auf Nachfrage einer Bürgerin und von Frau Haas antwortet Herr Heidrich, dass die Notzufahrt wirklich nur im Ausnahmefall zum Einsatz kommen werde. Die Busse würden beim Verlassen des Geländes über die reguläre Zufahrt auf den Tessenowweg und dann auf die Hebebrandstraße einbiegen. Die Leerfahrten können zukünftig durch die zentrale Lage mit Sicherheit reduziert werden. Die alte Fläche am Mesterkamp könne nicht weiter erweitert werden und werde nach Bezug des neuen Betriebshofes am Gleisdreieck für andere Nutzungen zur Verfügung stehen.

 


 

 

 

 

 


Abstimmungsergebnis:

Der Ausschuss nimmt davon Kenntnis, dass der Bebauungsplanentwurf Alsterdorf 22 / Winterhude 22 sowie die Änderung des Flächennutzungsplans in der abgestimmten Fassung öffentlich ausgelegt werden soll.