Bezirksversammlung Hamburg-Nord

Auszug - Nachmeldungen zur Fällliste Straßenbäume 2014/15  

 
 
Sitzung des Regionalausschusses Langenhorn-Fuhlsbüttel-Alsterdorf-Groß Borstel
TOP: Ö 5.5
Gremium: Regionalausschuss Langenhorn-Fuhlsbüttel-Alsterdorf-Groß Borstel Beschlussart: (offen)
Datum: Mo, 09.02.2015 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 18:00 - 21:44 Anlass: Sitzung
20-0883 Nachmeldungen zur Fällliste Straßenbäume 2014/15
   
 
Status:öffentlichDrucksache-Art:Mitteilungsvorlage Bezirksamt
  Aktenzeichen:123.70-24
Federführend:Interner Service Beteiligt:D4 - Dezernat Wirtschaft Bauen und Umwelt
 
Protokoll
Beschluss
Abstimmungsergebnis

Der Vorsitzende des evangelischen Kirchengemeinderates der Martin-Luther-Gemeinde in Alsterdorf kritisierte, dass in der Nachbarschaft des Kirchengemeindebüros vor dem Grundstück Alsterdorfer Straße 303 eine etwa 140 Jahre alte Linde in dem dortigen öffentlichen Straßenraum sehr kurzfristig und unerwartet gefällt worden sei. Es sei nicht erkennbar gewesen, auch jetzt an dem Stubben des Baumes, dass diese so krank gewesen sei, dass hier eine sofortige Fällung hätte durchgeführt werden müssen. Es drängt sich die Vermutung auf, dass mit dieser Baumfällung ein Bauprojekt auf dem Grundstück Alsterdorfer Straße 303 vorbereitet würde, hier speziell für eine dort projektierte Tiefgaragenzufahrt. In dem Bebauungsplan Alsterdorf 8 sei das Grundstück als Fläche für Gemeinbedarf für kirchliche Zwecke festgesetzt und es sei fraglich, ob es überhaupt zulässig sei dort Wohnungen zu bauen. Trotz eines Vorkaufsrechtes für die Kirche sei es der Kirche beim damaligen Grundstücksverkauf nicht möglich gewesen dieses Vorkaufsrecht auszuüben, wegen der überhöhten Grundstückskosten. Aus der Presse habe man dann letztes Jahr erfahren, dass dort von einem privaten Bauherrn ein Wohnungsbauprojekt vorbereitet würdeobgleich die Fläche im Bebauungsplan als Fläche für Gemeinbedarffür die Martin-Luther-Kirche ausgewiesen sei. Ausgerechnet jetzt, wo die Linde gefällt sei, habe man von dem potentiellen Bauherrn ein Schreiben erhalten, wo dieser erklärt, dass man die benachbarte Kirchengemeinde darüber informieren möchte, dass man auf dem Grundstück ein Wohnhaus mit neun barrierefreien Wohnungen bauen möchte und hierzu vom Bezirksamt der entsprechende Bauvorbescheidsantrag schon im Dezember 2014 genehmigt worden sei.

 

In diesem Zusammenhang wurden die Fragen gestellt:

- Liegt tatsächlich ein solch positiver Vorbescheid vor ?

- Warum wurde die etwa 140 Jahre alte Linde so plötzlich gefällt, obgleich seit Jahren dort

  kein Pilzbefall erkennbar war oder liegt schon länger ein Pilzbefall vor ?

- Wer hat festgestellt, dass die Linde jetzt nicht mehr standsicher sei und daher noch im

Februar gefällt werden musste und weshalb konnte man mit der Fällung nicht bis Ende 2015

warten ?

- Weshalb soll dort ein Zierapfel nachgepflanzt werden und keine Linde ?

 

Der Vorsitzende, Herr Lewin, erklärte, dass bereits vor längerer Zeit im damaligen Unterausschuss Bau zumindest informell über eine mögliche Bebauung dieser Fläche mit dem ehemaligen Restaurant diskutiert wurde. Dort gab es erste Planüberlegungen, die auch die Fläche des kleinen Straßenstückes mit der kleinen Lindenallee mit einbezogen hatten. Es gab auch Gespräche mit der Kirche, die aber dieses relativ komplexe Vorhaben so nicht mitgetragen hatte. Es waren sich seinerzeit alle Fraktionen im UA Bau einig, dass man eine derartig massive Bebauung dort nicht wolle und bei weiteren Bauüberlegungen auf jeden Fall der kleine Straßenabschnitt mit der kleinen Nebenfahrbahn mit dem beidseitigem Lindenbaumbestand als öffentliche Fläche zu erhalten ist und nicht in eine Gebäudeplanung mit einzubeziehen ist. Dieser kleine Straßenabschnitt ist der Rest der Ende des 19.Jahrhunderts angelegten Straßenverbindung von Winterhude über Alsterdorf nach Ohlsdorf , der Alsterdorfer Straße , die seinerzeit als Lindenallee angelegt wurde, und somit dieses der letzte Überrest dieses damaligen noch relativ schmalen Straßenzuges der ehemaligen Lindenallee ist. Aus seiner Sicht kann daher an Stelle der gefällten Linde als Ersatz nur eine Linde und zwar genau an demselben Standort nachgepflanzt werden.

 

Nach Aussagen des Bezirksamtes gab es eine fachgutachterliche Bewertung auch der betroffenen Linde, die im Übrigen auch schon in den vergangenen Jahren regelmäßig untersucht wurde. Aufgrund des aktuell fortgeschrittenen Pilzbefalls und eines daraus resultierenden Gefahrenzustandes war es aus Verkehrssicherheitsgründen unumgänglich den Baum noch im Februar zu fällen und diese Fällung steht in keinem Zusammenhang mit den Bebauungsüberlegungen des privaten Bauherrn für das Grundstück Alsterdorfer Straße 303. Darüber hinaus wurde seitens des Bezirksamtes erklärt, dass es für ein dortiges keinen positiven Bauvorbescheid gäbe.

 

Es haben sich außerdem folgende Fragen zu den anderen Baumfällungen ergeben:

-          Warum wird ein Apfelbaum gefällt, nur weil er Obst trägt?

-          Warum so wenig Ersatzpflanzungen? Es gibt einen Beschluss des UVV, dass für jeden Straßenbaum Nachpflanzungen erfolgen sollen. Es werden Nachpflanzungen 1 : 1 gefordert.

-          Warum wurde die Ausschussbefassung nicht abgewartet, bevor die Bäume gefällt wurden?

-          Tannenweg/Eiche: Warum Fällung? Warum werden keine anderen Möglichkeiten genutzt (Krone einschneiden)? Wird der Stumpf der Eiche entfernt und können die Gehwegplatten, die sehr schräge sind, begradigt werden (Seniorenwohnungen in der Nähe)?

-          Bei Begründung für Nicht-Nachpflanzung: Ausreichend Bestand vorhanden - Wie kann dies bei Straßenbäumen sein?

-          Was passiert da, wo Baumscheiben aufgegeben werden? Bleibt dies Grünfläche?

 

Grundsätzlich wird gefordert, dass Baumfällungen nur bei akuten Gefahrensituationen vor einer Befassung im Ausschuss vorgenommen werden sollen.


 

 


 

Aufgrund des Antrages der SPD-Fraktion wird einstimmig die folgende Beschlussempfehlung verabschiedet: „Die in der Alsterdorfer Straße 303 gefällte Linde ist durch eine Linde am selben Standort zu ersetzen.“

 

Der Ausschuss vertagt die Vorlage mit dem Wunsch in der nächsten Sitzung alle offenen Fragen mit einem Vertreter des Fachbereiches zu klären.